WortWahl – „Nazis raus!“

17 Jun

Ich finde, das Känguru bringt es sehr gut auf den Punkt:
„Deine Einstellung ist grundsätzlich löblich und deine Absicht zumindest verständlich, aber da du forderst „raus“ stelle dir doch bitte auch die Frage woraus und wohin. Raus aus Deutschland schön und gut, aber wohin? Denn wer will die wohl haben? Keiner! Es hat dem Ausland verständlicherweise keineswegs gefallen als die Nazis das letzte mal in großer Zahl aus Deutschland marschierten. Schließlich musst du noch bedenken, dass die Nazis dann selber Ausländer wären und wenn du die dann immernoch hassen würdest wärst du dann selber Nazi und müsstest dann selber raus und woraus und wohin? Du hättest also genauso gut schreiben können SELBER […]*“

 

Ich verstehe die Intention Begriffe zu besetzen und ihre Bedeutung umzukehren, und so aus „Ausländer raus“ die bekannte Parole „Nazis raus“ werden zu lassen.
Jedoch unterstützt und manifestiert diese nur weiter ein Denken in Nationen und Grenzen. Denn ein „raus“ kann es nur geben wenn es auch ein „drinnen“ gibt – getrennt durch Grenzen. Doch sollte es nicht Anspruch aller emanzipatorischen Kämpfe sein genau diese abzuschaffen?

 

* Das Zitat geht leider weiter mit dem Vergleich „Kindergarten-Niveau“ welchen ich nicht zitieren wollte, da ich auch die Abwertung durch Alter (ageism) nicht reproduzieren möchte. Aber dazu mehr in einem extra Beitrag……

Cesar Milan – weil ichs nicht mehr hören kann!

24 Mrz
Geht es um das Zusammenleben mit Hunden kommt eins um Hunde“erziehung“ und damit früher oder später um „Cesar Milan“ nicht herum. Der selbsternannte „Hundetrainer“ aus den USA wird immernoch vergöttert und weiterempfohlen, obwohl längst bekannt ist, dass er mit veralteten Dominanz-Theorien arbeitet, Stachelhalsbänder und Elekroschocks benutzt und auf verschiedene Arten körperlich und psychisch Gewalt ausübt.
Wer sich für ein Zusammenleben mit Hunden entscheidet sollte dies im Gegenseitigen Respekt tun, und nicht auf Unterdrückung und Gewalt basierend.

Wenn die Methoden nur, wie oft behauptet, in „Ausnahme bei hoffnungslosen Fällen“ angewendet werden, frage ich mich wieso sie im Fernsehen gezeigt werden. Und gerade bei solchen „hoffnungslosen Fällen“ ist es umso wichtiger dir Ursache des Problems zu lösen und nicht die Symptome mit Gewalt zu unterdrücken.

Ergänzung – 18.06.2014

Traurigerweise hat am 12.06.2014 selbst die jungle world, eine Zeitung mit emanzipatorischen Anspruch, Cesar Milan interviewt und ihm viel zu viel Raum zur positiven Selbstdarstellung gegeben und dabei kaum kritisch hinterfragt. Wieder einmal werden andere Spezien in der Utopie einer befreiten Gesellschaft außen vor gelassen. Wenn sie uns nicht gerade dienen um Lebensmittel, Kleidung und andere Produkte für Menschen zu werden oder zu produzieren, sollen sie als Haustiere herhalten und gefälligst nach Menschenwillen funktionieren.
Speziesismus lässt sich mit einer zu Ende gedachten Theorie der befreiten Gesellschaft einfach nicht vereinbaren, und deswegen haben Menschen wie Cesar Milan nichts einer solchen Zeitschrift zu suchen. Noone is free until all are free!

Und viel mehr gibt es da für mich nicht zu sagen, denn Bilder sprechen mehr als tausend Worte….

Bericht im US-TV inklusive Elektro-Schock Einsatz:
Folge mit Stachelhalsband, bewusst an die empfindlichste Stelle am Körper gelegt. Ist auf spanisch aber die Anfangs-Bilder und dann ab 5.20 Minuten reichen völlig aus. Dieser Hund ist NICHT therapiert, sondern nun eine tickende Zeitbombe die nun eine wirklich gute Therapie braucht.
Negatives vs positives Training: https://www.youtube.com/watch?v=buUHYM9ymc8
Und wer so wenig Ahnung von Hunden hat, wird auch schonmal gebissen….
Diesen Hund nach so vielen Beschwichtigungs- und Warnsignalen noch zum beißen zu bringen ist schon fast ne Kunst für sich! https://www.youtube.com/watch?v=wiSS97ve2Iw

Weil anschreien scheiße ist….

10 Mrz

… und das nicht nur für die Hunde welche selbst angeschrien werden!

– Darta liebt Rad fahren. Es ist die einzige Beschäftigung außerhalb der Wohnung, neben jagen, bei der er wirklich entspannt ist. Wenn er neben dem Rad läuft achtet er genau auf mich, schon auf kleinste Tempo und Richtungsänderungen, sein Körper entspannt sichtlich und er hat einfach Spaß. Selbst brenzlige Situationen kriegen wir so halbwegs souverän gemeistert….. –

Unser erster Versuch in Spanien April 2013
Seitdem natürlich nur noch mit Geschirr und Lotta meist ohne Leine 🙂

Und so fuhren wir auch heute mit dem Rad. Dabei saßen zwei Menschen mit ihren 3 Hunden an einer Kreuzung auf einer Bank. Ich quietschte extra laut mit den Bremsen, damit sie nicht zu sehr überrascht werden und fuhr langsam heran, Die beiden, ins Gespräch vertieft, bekamen natürlich trotzdem nicht mit das wir drei ankamen. Die Hunde dafür umso mehr, und sie sprangen bellend auf uns zu. Das ist zwar nicht unbedingt toll, war aber in Ordnung. Lotta konnte weiträumig ausweichen und Darta und ich blieben stehen damit er Raum zum kommunizieren hat. Nun sprang nur leider auch die Frau auf, und bellte doppelt so laut wie ihre Hunde „Hiiiiiiiiier!“. Keine Reaktion seitens der Hunde (warum auch?).

Die Hunde fand Darta zwar nicht unbedingt cool, aber es war okay. Das nun aber eine Frau laut rufend und mit einem Stock in der Hand gestikulierend auf uns zu stürmte – das fand er richtig sch***. In Panik versuchte er auf die andere Seite meines Rads „in Sicherheit“ zu springen, verhedderte sich dabei und riss mich fast um. Die Frau ging weiter auf ihre Hunde, und damit uns“, zu. Ich war selbst ziemlich erschrocken und sage schon fast panisch (weil halb am umkippen), sie solle aufhören so auf uns zu zu gehen und so laut zu sein, mein Hund habe Angst. Ja, das sehe sie schon, aber sie ginge ja nur auf IHRE Hunde zu (die direkt neben uns standen). Ich sage ihr, dass das meiner aber nunmal nicht weiß. Als sie kurz inne hält ergreife ich die Chance und fahr wortlos schnell weiter, die Leine noch auf der falschen Seite. Hauptsache weg!
Glücklicherweise scheint Darta wirklich beträchtlich weiter zu sein, und er war schon nach einen Metern recht schnell wieder entspannt, wechselte die Seite und trabte wieder friedlich neben mir her. Früher hätte das anders ausgesehen.
Menschen sind ja schon schlimm genug. Aber erst drei bellend auf uns zu stürmende Hunde, dann eine wild rufende Frau mit einem Stock in der Hand hinterher?

Doch leider sind das aber keine Ausnahmefälle. Immer wieder stürmen Hunde auf uns zu. Entweder die Menschen machen gar nichts, und meistens wird Lotta dann gejagd bis ich dann meine Stimme selbst erhebe und den fremden Hund zur Ordnung rufen muss (wofür in 90% der Fälle ein einmaliges lautes „STOP“ reicht), oder die Menschen stürmen ähnlich hinterher wie diese Frau und machen alles noch schlimmer.

Warum sollte ein Hund kommen, wenn es keinen Anreiz gibt?
Wie entspannter es doch wäre, würden wir lernen unsere Hunde lieb zu bitten zu uns zu kommen, Spaß mit Ihnen haben und Anreize bieten statt Verbote aufzustellen! Wir müssen sie endlich in ihren individuellen Bedürfnissen ernst nehmen anstatt in Regeln zu pressen und diese mit Wut durchzusetzen.

Übers l(i)eben lassen

10 Mrz

… Grenzen und Hierarchien zwischen Freund_innenschaften, Liebe und Sex(ualität) durcheinander schmeißen

• Respekt statt Regeln!

• Nichts erwarten, und keinen Erwartungen entsprechen

• Dynamik und Vielfalt statt fertige Formen und Exklusivität

• Für mehr Solidarität und weniger Aufopferung

• Freude statt Eifersucht

• Gemeinsam und alleine

….. einfach mal l(i)eben lassen!

„Hab‘ keine Angst mein Hund“- Buchrezension

1 Mrz

„Hab‘ keine Angst, mein Hund – Ängste bei Hunden erkennen und abbauen“
von Rolf C. Franck und Madeleine Grauss für 10,95Ich habe mich auf Empfehlung hin recht spontan das Buch geholt. Es ist seinem Preis entsprechend nicht sehr dick und hat viele Bilder statt Text.Zu Anfang wird auf den Grund und die Entstehung von Ängsten eingegangen. Dabei wird mehrfach der Vergleich zu Wölfen gezogen, dann sich aber wieder davon distanziert, dass der Hund ein Wolf sei [vgl S.8 ff.].

 

Ich habe mich auf Empfehlung hin recht spontan das Buch geholt. Es ist seinem Preis entsprechend nicht sehr dick und hat viele Bilder statt Text.

Zu Anfang wird auf den Grund und die Entstehung von Ängsten eingegangen. Dabei wird mehrfach der Vergleich zu Wölfen gezogen, dann sich aber wieder davon distanziert, dass der Hund ein Wolf sei [vgl S.8 ff.].

Gut finde ich die Distanzierung zu alten Rudelführer_innentheorien, leider wird auf das „Warum“ gar nicht eingegangen. Die Gründe für typische Verhaltensstrategien (Flucht und Aggression) sind anschaulich erklärt. Eine Einteilung in vier Angstzustände zieht sich durchs ganze Buch und ist hilfreich zur Orientierung.

Es wird sehr gut und einleuchtend erklärt warum flodding, Ignoration und Konfrontation/Habituation oft die Angst verschlimmern und nicht angwandt werden sollten. Dabei wird aber nicht näher erläutert das das Umgehen von Konfrontation und sogar flodding manchmal nicht möglich ist (nicht als Methode, sondern auf Grund der äußeren Umstände und der speziellen Angst). Dann werden viele typische Angstsituationen erklärt und gute Lösungsstrategien aufgezeigt. Diese sind für Menschen mit Hunden die leichte bis mittlere Angst haben auch sehr gut umsetzbar und vorallem rein positiv. Für Menschen die sich das erste mal mit Angst beschäftigen gibt das sicherlich einen guten Überblick und gute Ansätze. Leider gibt es nur wenige Tipps für „angstbestimmte“ Hunde (Stufe vier) und viele sind absolut nicht umsetzbar mit solchen Hunden. Deswegen konnte ich für unsere Lage nur wenige Tipps herausziehen, auch wenn ich ein paar Sachen mitnehmen konnte.

 

 

Ganz großen Abzug gibt es dafür, dass die meisten der fotografierten Hunde nur am Halsband geführt werden (und das bei Angsthunden), auf eine gute Sicherung (Panikgeschirr) nicht eingegangen wird und vor Allem ein Hund sogar NUR am Halti geführt und dies auch empfohlen wird („der Gentle Leader verhindert unerwünschte Verhaltensweisen“ [S.55]).
Außerdem wird (wie leider so oft in der angeblich gewaltfreien Erziehung) bei Hunden die Futter nicht so interessant finden empfohlen dieses“deutlich [zu] reduzieren“ um es „aufzuwerten“ [S.38] und erklärt „sollte der Hund nach dem Kong regelrecht süchtig gemacht werden“ [S.62].

 

Das Versprechen in der Einleitung „Sie halten ein Buch in der Hand, das Ihnen helfen wird“ [S.7]wird leider nur teilweise erfüllt, aber ich konnte ein paar Anreize daraus mitnehmen und denke für Menschen mit Hunden mit weniger starken Ängsten kann es hilfreicher sein!

 

Blut in Tassen

23 Jan

Einmal im Monat räumt mein Körper auf. Nicht nur meiner, sondern der von einigen Menschen auf dieser Erde. Dann kommt die rote Armee, der rosarote Panther, die Erdbeerwoche, das rote Meer oder irgendein anderer höchst kreativer Name den sich Menschen ausgedacht haben um einen völlig normalen Vorgang bloß nicht beim Namen nennen zu müssen. Denn Menstruation ist immer noch ein Tabuthema über welches nur im Flüsterton geredet wird und am besten noch oben genannte Kosenamen verwendet werden. Sie ist eklig und unrein (NICHT!).

Wahrscheinlich ist das mit Grund warum Viele einfach nur still und heimlich in den nächsten Drogeriemarkt verschwinden und Tampons kaufen, wie es alle tun, ohne drüber nachzudenken ob das wirklich gut so ist oder sich gar darüber auszutauschen.

Weil wir Müllberge produzieren…

16.800 Binden oder Tampons verbraucht eine Frau* laut Reset.org¹ in ihrem Leben. Das sind weltweit 45.000.000.000 pro Jahr – ein unvorstellbarer Müllberg. Und das nicht, wie wir uns gerne einreden, aus Baumwolle sondern hauptsächlich aus Kunststoff, welcher uns sicher noch einige Jahrhunderte erhalten bleibt.

Weil wir uns und Anderen damit nichts gutes tun…

Tampons saugen nicht nur das Blut auf, sondern alle Flüssigkeit. Auch jene die in eine gesunde Scheidenflora rein gehört! Bei empflindlichen Frauen kann das schnell das Gleichgewicht durcheinander bringen und dadurch anfällig für Pilze und Infektionen machen. ³

Ökotest² hat in einigen Tampons krebsverdächtige Substanzen entdeckt. Von den Bleichmitteln und Chemikalien, die bei der Herstellung verwendet werden, gar nicht erst zu reden. Und auch die verwendere Baumwolle wird höchst warhscheinlich mit entsprechend hoher Pestizidbelastung angebaut worden sein. Etwas was ich weder in meinem Körper haben möchte, noch den Ernterbeiter_innen dieser Baumwolle antun möchte. Denn ein Siegel für fair hergestellte Tampons und Binden gibt es bisher nicht!

Doch trotzdem greifen die Meisten auf herkömmliche Tampons und Binden zurück – weil wir es so kennen und die Werbung uns keine Alternativen zeigt!

Quelle: http://www.meluna.org/

Aber es gibt sie ! Die Idee der Menstrutionstasse ist nicht neu, sondern wurde schon in den 30ern erfunden – trotzdem ist sie immernoch wenig verbreitet. Denn sie spielt durch ihre Wiederverwendbarkeit nicht annähernd so viel Geld in die Kasse von Firmen wie es die Produktion von Tampons und Binden tun, und außerdem würde mensch feststellen: Mein Blut ist ja gar nicht so eklig wie es immer dargestellt wird.

Menstruationstassen werden ähnlich verwendet wie Tampons. Mit dem Vorteil das sie weder die Scheidenflora stören noch riesige Müllberge produzieren. Außerdem gibt es sie nicht in sterilem Krankenhaus weiß sondern vielen Farben (und Formen).

Sie fangen das Blut auf, lassen sich einfach entleeren, kurz reinigen und dann über viele Jahre hin.weg wieder und wieder verwenden.
Am Ende der Menstruation koche ich diese entweder aus oder verwende Gebissreiniger Tabs von Dontodent, welche übrigens vegan sind!

Außerdem gibt es auch waschbare Binden und Slipeinlagen. Statt unbequemen und nicht atmungsaktiven Kunststoffeinlagen sind diese aus Baumwolle. Nach dem Verwenden kurz auswaschen und je nach Jahreszeit in der Sonne oder auf der Heizung trocknen lassen. Am Ende der Tage dann einfach einmal richtig waschen – und auch diese sind eine Investition in mehrere Jahre!

Ich persönlich habe mich bei meinem Kauf für Produkte von Me Luna entschieden, da diese auch für Studierende erschwinglich sind und außerdem in Deutschland produziert werden (was ansich natürlich irrelevant ist, aber zumindest schonmal zu krasse Ausbeutungsverhältnisse bei der Herstellung ausschließt!). Es gibt allerdings auch viele andere Firmen und die Möglichkeit sich Slipeinlagen und Binden selbst zu nähen.

Mir hat es außerdem geholfen mich mehr mit meinem Körper auseinander zu setzen. Festzustellen wie viel Blut ich eigentlich wirklich verliere und meine Menstruation nicht mehr als etwas ekliges anzusehen was ich mit krankenhaus-ähnlichen Propfen stoppen und danach schnell entsorgen muss.

Denn drum herum komme ich sowieso nicht! Dann doch lieber gesünder, günstiger, nachhaltiger und vorallem farbenfroher als bisher….

*Frau wurde hier übernommen von reset.org
Ich möchte aber anmerken das ich bewusst probiere auf die Festlegung von Frau = Menstruation zu verzichten! „Some men have vaginas. Get over it! Some women have a penis. Get over it!“ Und andere Frauen haben nicht mehr, noch nicht und werden ihre Menstruation vielleicht auch nie haben.

weiterführende Links:
http://maedchenblog.blogsport.de/2007/01/13/74/

¹ http://reset.org/act/nachhaltige-monatshygiene-kein-muell-der-regel

² http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91680;bernr=10;co=

³ sagt mein Frauenarzt

gendersensible Sprache I

12 Jan

Ich habe einen kurzen Input für das Seminar „Praxiszentrum Beratung, Bildung und Genderkompetenz“ vorbereitet zum Thema gendergerecht/gendersensibel Sprechen und Schreiben – und wo ich da schonmal was zusammen geschrieben habe mag ich nun die Chance nutzen einige Aspekte nochmal hier zu veröffentlichen.
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«Sprache schafft Wirklichkeit, und die Grenzen der Sprache sind die Grenzen des einzelnen Weltbildes.»
Ludwig Josef Johann Wittgenstein (26.04.1889 – 29.04.1951), Philosoph

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Wir müssen uns der Wechselwirkung bewusst werden, die die gesellschaftliche Realität auf Sprache ausübt und Sprache widerum auf die jeweilige Gesellschaft. Denn Sprache ist eben nicht nur ein Abbild und die Reflexion der Gesellschaft, sondern bestimmt diese aktiv mit!1

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«Mit der Semantik von Worten ist es wie mit anderen soziokulturellen
Gegenständen: Sie sind beweglich und veränderlich,
sie werden für Einzelinteressen instrumentalisiert
und in ideologische Dienste gestellt.»
(Sookee 2008)

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Sprache war und ist immer im Wandel, solange und da die Gesellschaft sich (weiter-)entwickelt hat.
Zu Kolonialzeiten war das N-Wort ein sehr weit verbreiteter Begriff für Schwarze und People of Color, welcher zum Glück endlich nach und nach (wenn auch viel zu langsam) kaum noch genutzt wird (was mensch für viele andere Begriffe aus der Kolonialzeit leider nicht sagen kann, aber das ist ein anderes Thema) . Junge Frauen werden heutzutage nicht mehr sexualisiert als „Jungfrauen“ bezeichnet um auf ihre sexuelle Verfügbarkeit hinzudeuten, und viele andere Begriffe haben sich gewandelt oder verschwinden aus der Sprache – einhergehend mit den gesellschaftlichen Veränderungen. Veränderung bedeutet also keinesfalls etwas negatives, sondern ist notwenig und ein natürlicher Prozess.

Wenn auch nicht einzigartig aber sehr prägend für deutsche Sprache ist die Verwendung des generischen Maskulinum.
Im Detail erklärt findet ihr es dort von dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch:

In Kurzform in eigenen Worten zusammengefasst
(und dadurch sehr fehleranfällig):
Wir haben „der Student“ und „die Studentin“. Die Artikel sind, anders als bei „der Baum“ und „die Flasche“, keine gramatikalischen Geschlechter sondern ihren natürlichen Geschlechtern entsprechend zugeordnet.
Als Oberbegriff dieser beiden Begriffe wird allerdings ausschließlich die männliche Form gewählt „der Student“.
Wenn nun also studierenden Gruppen oder auch eine einzelne Studentin angesprochen werden, geschieht dies immer in der männlichen Form!
Das ist historisch gesehen nicht wirklich verwunderlich, denn bis vor wenigen Jahrzehnten (und auch heute oft genug noch) wurden eben nur Männer gemeint. Wenn eine Frau nicht wählen durfte, nicht über ihre Arbeit selbst entscheiden durfte und allgemein Abhängig war von Familie und/oder Mann war, wurde sie auch nicht mitangesprochen.
Heute sieht das selbstverständlich gaaanz anders aus – da darf sich Frau nämlich netter Weise einfach mitdenken! (ironie)

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«Männer werden fast immer richtig eingeordnet, Frauen
fast nie, denn in unserer Sprache gilt die Regel: 99 Sängerinnen
und ein Sänger sind 100 Sänger.»
(Luise Pusch 1990)

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Unsere Sprache ist stark patriachal geprägt. Wenn wir irgendwann in einer gleichberechtigten und befreiten Gesellschaft leben wollen, sollte sich auch unsere Sprache verändern. Dies gilt insbesondere für die Menschen, welche mir erzählen wir würden schon in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben! Dazu gehören viele Worte und Redewendungen, deren Hintergünde und Herkünft wir uns bewusst machen sollten (dazu nach und nach mehr unter WortWahl).
Aber eben insbesondere eine ‚gegenderte‘ Sprache!

Der Student        Die Studenten
(außer wir meinen wirklich nur Männer)

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1. Substantivierte Verben und AdjektiveDer Studierende      Die Studierende
Die Studierenden
Verben und Adjektive werden substantiviert. Die Pluralform ist geschlechtsneutral und bei der Singularform kann der entsprechende Artikel selbst gewählt werden.

2. Vollstände PaarformDie Studentin und der Student
Die Studentinnen und die Studenten
Bezieht sich nur auf zwei Geschlechter und ist relativ lang.

3. Unterstrich und SternchenDie_der Student_in
Die Student*innen
Beide Formen werden gleich verwendet und haben den Zweck auch Raum zu geben für Menschen die sich nicht einem der beiden Geschlechter zu ordnen können oder wollen (Trans- oder Intersexuelle Menschen, gender queere…).

(4. Schrägstrich/Binnen I)
Die/der Student/in, StudentIn
Die Student/innen, StudentInnen
Nur eingeschränkt zu emfehlen, da es keine Geschlechtersymmetrie herstellt. Nur sinnvoll wenn Platz gespart werden muss. Ähnliches gilt fürs Binnen I, zumal dort bei der Artikel Wahl auf eine der anderen Versionen zurückgegriffen werden muss!

Ich persönlich probiere die Wörter geschlechtsneutral zu substantivieren oder nutze den Unterstrich.

In der gesprochenen Sprache gestaltet sich der Gebrauch schon etwas schwieriger. Zum einen ist es leider relativ anstregend sich umzustelle, ich persönliche Falle sehr oft in einen ungegenderten Sprachgebrauch zurück – da heißt es üben, üben, üben.

Langfristig gehört für mich persönlich auch die Bemühung dazu andere patrichale Begriffe aus meinem Wortschatz zu streichen, doch wenn wir Beginnen würden zumindest personenbezeichnende Substantive zukünftig nicht mehr nur in der männlichen Form wiederzugeben und Frauen und Menschen anderer Geschlechter nur „mitzumeinen“ ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.
Andere, gerade skandinavische, Länder sind sowohl im Sprachgebrauch als auch in der realen Umsetzung schon deutlich weiter. Dies zeigt: Es ist möglich alte Strukturen abzuwerfen! Viele Stiftungen, Universitäten usw. gehen mit positiven Beispiel voran.
Die Uni Leipzig zum Beispiel führt das generische Femininum ein. Nicht weil sie der Meinung wäre, das generische Femininum wäre gerechter, sondern als Protestform um aufzuzeigen, dass sich viele Menschen (insbesondere Männer) diskriminiert fühlen werden sie nur in der weiblichen Form genannt, dies bei der männlichen Form jedoch ’normal‘ ist. Gewohntheit darf keine Ausrede für diskriminierende Strukturreproduktion sein!

Ich habe viel zurückgegriffen auf den Sprachleitfaden der FH Potsdam und Infos von Anatol Stefanowitsch – und habe keinerlei Anspruch auf Richtgkeit!transliberation

1 „Sprache im Blick – Leitfaden für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ FH Potsdam