Archiv | Mai, 2013

Ad libitum – Hundeernährung

31 Mai

„Ad Libitum“ Ernährung – ein Verfahren welches ich eigentlich aus der Ernährung meiner Kaninchen kenne.
Die Idee: Statt den Tieren nur 2-3 mal am Tag eine bestimmte Menge Futter zur Verfügung zu stellen, Futter rund um die Uhr, so dass das Tier selbst wählen kann wann und wie viel Nahrung der Körper benötigt.

Bei Hundehalter_Innen scheint dieses Konzept allerdings absolut undenkbar zu sein.
Einem Hund die Fähigkeit zu zuschreiben selbst zu entscheiden wie viel er/sie wirklich braucht?
Unmöglich! Nein dafür braucht es schon das Menschlein welches genau die Menge abwiegt, pünktlich um 5 den Futternapf zur Verfügung stellt und falls nicht innerhalb von 10 Minuten aufgegessen wird den Napf wieder entfernt!

Aber WER hat das eigentlich gesagt, und vorgegeben? Wieso darf Hund nicht selbst lernen auf seinen/ihren Körper zu hören und Futter zu sich nehmen wann der Körper es verlangt, und nicht dann wenn gnädiger Weise etwas zur Verfügung steht – und dann auch noch nur so viel, wie Mensch ihm gibt?

Wieso meinen wir besser zu wissen wie viel Hund braucht und wann, als er/sie selbst?
Aber ja, auf den ersten Blick scheinen Hunde absolut unfähig diese Entscheidungen zu treffen. Schließlich schlingen die meisten Hunde alles weg, was ihnen unter die Nase kommt. In nicht wenigen Fällen kommt noch Futterneid dazu. Sie neigen zu Übergewicht und geben sich als reine Fressmaschinen…..

Aber vielleicht kommt dieses Verhalten gerade von dieser rationierten Futtergabe?
Denn Hund kann sich nie wirklich sicher sein, wann das nächste Futter kommt und wie viel. Also so schnell wie möglich runter damit, und zwar Alles! Selbst wenn theoretisch nicht mehr benötigt wird für den Moment wird es lieber noch hinterhergeschlungen als das es „weg kommt“.

Was passiert aber, wenn sich das Futter (ob nun Napf oder nicht ist irrelevant) immer nachfüllt und nie ausgeht?
Darta zum Beispiel hat sich 3 Tage immer wieder bis zu Bauchschmerzen gemampft, und lag danach träge rum.
Und dann auf einmal schien es KLICK zu machen – „wow das Futter verschwindet nicht. Es ist immer da!“ Und seitdem wird dann gefressen, wenn Hunger und Bedarf da ist. Zum Beispiel nach einer langen Wanderungen. Oder aber ansonsten vorzugsweise in der Nacht!
Und selbst Lotta die am Anfang anfing sehr stark ihre Ressourcen zu verteidigen (Schmuseplatz bei mir, Körbchen, Futter…) frisst nun entspannt neben Darta, statt das Futter zu verteidigen. Denn es kommt ja schließlich nichts weg.
Und das obwohl ich sie direkt von der Straße (oder eher Strand) aufgelesen habe und sie sicherlich um ihr Futter kämpfen musste. Dieses Verhalten hat sie aber nach wenigen Versuchen direkt abgeelegt.
Interessanterweise ist ihr Futtermenge meist rund um die offizielle Fütterungsempfehlung, fast nie mehr und an Tagen von wenig Bewegung sogar weniger.

Es ist kein „Druck“ mehr da schnell alle Nahrung zu sich zu nehmen, und vor allem haben sie gelernt  auf ihre Körper zu hören!

WICHTIGER NACHTRAG
Sollte Hund wirklich anstalten machen unmengen Futter in kürzester Zeit zu verschlingen, bitte nicht einfach nachfüllen – das kann gefährlich werden! Ein Sättigungsgefühl braucht Zeit bis es sich bilden kann. Abstände von 10-20 Minuten einbauen, Futter vielleicht suchen lassen, und KLEINE Portionen nachfüllen. Die Hunde sind immer noch im Schlingmodus und müssen Zeit haben zu verstehen, dass
das Futter sich nachfüllt.

Aber wie soll dann noch Belohnung oder Beschäftigen durch Suchspiele funktionieren?
Bei Lotta kann ich interessanter Weise dasselbe Futter auch für die Belohnung nehmen, aus der Hand scheint es eben nochmal besser zu schmecken. Ansonsten eignen sich für Suchspiele und Belohnung einfach anderes Futter oder etwas ganz besonders Leckeres, und schon wird auch dafür gerne wieder „gearbeitet“.
!! Allerdings ohne den Druck nichts zu essen zu kriegen wenn sie mal keine Lust haben, denn Nahrung ist ja immer da. Es wird also nicht gearbeitet um den Hunger zu stillen, sondern um einen zusätzlichen Nachtisch zu ergattern. Ein doch deutlich unterschiedliches „Abhängigkeitsverhältnis“ welches da entsteht, und in welchem ich viel lieber mit meinen Hunden zusammen lebe. !!

Ich kann nur jedem/jeder der/die das Glück hat mit einem Hund zusammen zu leben ans Herz legen es mal 1-2 Wochen auszuprobieren. In dieser Zeit kann nicht viel „kaputt“ gehen, der Hund wird schon nicht aufgehen wie ein Luftballon – aber er/sie braucht auch Zeit um lange einstudierte Muster erst einmal gedanklich wieder zu durchbrechen und zu verinnerlichen, dass es wirklich immer da ist!

Wie Wasser ist Futter ein Grundbedürfnis und sollte im Normalfall nicht von uns rationiert werden.

Just try it!

Das ist eine Empfehlung aus Erfahrungen die ich und andere gemacht haben. Ich übernehme keinerlei Haftung, und wichtig ist immer seinen Hund individuell im Auge zu haben und zu schauen was gut erscheint und was nicht! Eigenverantwortung ist hier gefragt und gut beobachten.