Archiv | Juli, 2013

Ⓥegane Hundeernährung

8 Jul

Ob ein Hund vegan ernährt werden kann, ob er es sollte, warum wie und weshalb – ist eine Fragestellung die sich wohl hauptsächlich  Menschen stellen die selbst vegan leben und gleichzeitig die Verantwortung für einen Hund tragen.
Und diese Fragestellung möchte ich ein wenig durchleuchten.

► Warum überhaupt?

Wer beschlossen hat aus ethischen Gründen vegan zu leben, hat damit auch beschlossen anderen Mitlebewesen kein Leid mehr anzutun, und dieses Leid auch nicht weiter durch Käufe zu Unterstützen. Eine solche Person wird höchst wahrscheinlich die Entscheidung getroffen haben, die eigene Spezies nicht über andere Spezien zu stellen und sich nicht mehr an dem Leid welches die Produktion von tierischen Produkten mit sich bringt beteiligen zu wollen.
Irgendwann wird fast jede_r vegane Hundehalter_in vor der Frage stehen:
Ist es moralisch vertretbar andere Tiere für einen Hund zu töten beziehungsweise dies in Auftrag zu geben und zu finanzieren? Ist ein Schwein weniger wert als ein Hund?
Die einzig logische Antwort darauf, lautet Nein. Ein Hund hat nicht mehr Recht auf leidfreies Leben als ein Schwein, nur weil er das Glück hat nahe beim Menschen zu leben. WIR haben nicht das Recht zu entscheiden welche Tiere leben dürfen und welche nicht. Das wäre weder „natürlich“ noch gerecht, denn alle Lebewesen fühlen Schmerz und wollen leben.
Doch ganz so einfach ist es leider nicht – denn mit dieser Antwort kommen auch viele weitere Fragen auf die ich hier probieren möchte in Kurzform zu beantworten.
Für genauere Informationen muss sich allerdings jede_r selbst informieren, sich verlässliche Quellen suchen und selbst immer kritisch hinterfragen!

► Aber ein Hund stammt doch vom Wolf ab und ist Fleischfresser!

Richtig, der Hund stammt vom Wolf ab. Seine Domestizierung liegt nun allerdings schon 15.000 – 100.000 Jahre zurück (da streitet sich die Wissenschaft) und wie wir alle wissen entwickeln sich Lebewesen in einem solchen Zeitraum weiter und passen sich ihren Lebensumständen an. So haben sehr viele Hunde heutzutage nicht mal mehr einen Jagdtrieb bzw einen nur so gering ausgeprägten, dass sie selbst nicht töten oder ein etwaiger vorhandener Trieb sich zumindest durch Training umlenken lässt. Hunde welche in Tötungsabsicht jagen sind eher die Ausnahme, als die Regel.
Der Großteil der heutigen Hunde ist allein schon  körperlich nicht in der Lage zu jagen und zu töten. Wenn ich mir vorstelle wie ein Yorkshire-Terrier (auch ein Nachfahre des Wolfes!) versucht ein Schwein oder Rind zu erlegen frag ich mich was daran „natürlich“ sein soll.
Rein biologisch betrachtet ist der Hund mit einer Darmlänge die im Schnitt 6-mal so lang ist wie der Körper ein Omnivor (=Allesfresser).  Typische Fleischfresser haben eine Darmlänge von 4:1 oder weniger und der Mensch zum Beispiel von 6-8:1. Reine Pflanzenfresser haben noch einen viel längeren Verdauungstrakt.
Der Hund ist also KEIN Fleischfresser, auch wenn er irritierender weise in die Gruppe der „Carnivoren“  eingeordnet wird. Interessanterweise gibt es in dieser Gruppe einige Tiere welche sich fast ausschließlich von Pflanzen ernähren (wie z.B. Bären,Waschbären, der kleine Panda,  der Wickelbär und das Binturong) – weshalb die Einordnung irreführend für viele irreführend ist.

In den letzten Jahrhunderten in denen es noch kein fertig abgepacktes Hundefutter in Supermärkten zu kaufen gab, wurden Hunde von den Tischabfällen der Menschen ernährt. Teures und kostbares Fleisch, war jedoch selten an der Tagesordnung. Stattdessen gab es die Reste des Essen, oder nicht verwertbare Gedärme und Knochen. Der Hund hat, im Gegensatz zum Wolf gelernt, auch pflanzliche Nahrung ohne Probleme zu verdauen!
Schauen wir uns das herkömmliche Hundefutter an welches in den meisten Haushalten verfüttert wird, stellen wir schnell fest dass dieses zum Großteil aus pflanzlichen Zutaten besteht. Und Fleisch(-Reste!) nur einen verschwindend geringen Anteil ausmachen.
Der Hund stammt vom Wolf ab, aber er ist eben KEIN Wolf mehr sondern ein Hund. Er ist KEIN reiner Fleischfresser.

►  Fehlt dem Hund ohne Fleisch nicht etwas?

Nahezu alle Nährstoffe kann der Hund auch aus pflanzlicher Nahrung ziehen. Einzig Vitamin B12 sollte supplimentiert werden – welches auch in den meisten fleischhaltigen Fertigfuttern supplimentiert ist. Taurin sollten Hunde in der Regel selbst bilden können, nur wenige Hunderassen können dies nicht mehr. Dies ist dann allerdings auch bei fleischhaltiger Ernährung problematisch und völlig unabhängig von einer veganen Ernährung.
Wichtig ist vorallem WIE der Hund vegan ernährt wird. Natürlich kann mensch einen Hund auch ungesund vegan ernähren, genauso wie ein Hund auch mit Fleisch ungesund ernährt werden kann. So sollte mensch ein Grundwissen über die Nährstoffbedarfe verfügen, hochwertiges Fertigfutter verwenden bzw entsprechende extra abgestimmte Supplementierungen (welche wie schon erwähnt auch bei fleischhaltigem Fertigfutter oder sogar dem sogenannten B.A.R.F gegeben werden müssen!).

Wichtig ist das der Hund alle Nährstoffe kriegt – ob nun durch Fleisch oder pflanzlich ist ihm egal.

►   Das ist doch unnatürlich einem Hund seine Lebensweise aufzuzwingen.

Vielleicht mag dies „unnatürlich“ sein. Aber was ist natürlich? Eine Leine? Ein Hundekorb? Industriell hergestelltes Fertigfutter? Erziehung?

Und ist es natürlich das ein 7kg Hund ein Rind frisst? In wie fern zwinge ich meinem Hund eine vegane Ernährung mehr auf, als das ich es nicht auch bei fleischhaltiger Ernährung tue. Und wer sagt, dass er pflanzliche Nahrung nicht will?
Die Erfahrung zeigt, dass den meisten Hunden vegane Ernährung mindestens genauso gut schmeckt wie fleischhaltige. Der Hund ist ein domestiziertes Tier, welches mit dem Menschen lebt und leben will. Von „Natürlichkeit“ zu sprechen, ist irreführend da es diese nicht gibt. Aber wie ich „freie Hunde“, welche die Wahl haben, erlebt habe werde ich weiter unten noch berichten.

Ist das nicht Tierquälerei und macht den Hund krank?

Was genau ist es, was den Hund angeblich an einer ausgewogenen veganen Ernährung krank macht?
Diese Frage wurde mir leider noch nie ernsthaft beantwortet – deswegen ist es schwer eine so unsinnge Ausage wie „das macht den Hund krank“ zu widerlegen.
Natürlich kann auch ein vegan ernährter Hund krank werden, wie jeder andere auch. Ein Fall, wo ein !ausgewogen! vegan ernährter Hund von der Ernährung krank geworden ist, ist mir nicht bekannt und konnte mir auch noch niemand zeigen.
Den Hund nur mit Tischabfällen zu füttern ist vielleicht vegan, aber weder ausgewogen noch gesund und davon ist hier selbstverständlich nicht die Rede.
„Tierquälerei“ ist ein oft genutzter Begriff, der mich vermuten lässt das sich viele
mit der Bedeutung dieses Begriffes nicht auseinander gesetzt haben.
Ich kenne keinen Hund der unter seinen veganen Ernährung leidet oder gar gequält wird.
Im Gegenteil, viele haben dadurch gesundheitliche Probleme verloren und sind
aktiver und glücklicher geworden.
Aber ist es nicht Tierquälerei Tiere zu tausendfach in winzige verschmutzte Ställe einzusperren, sie mit Antibiotika vollzupumpen und sie später ohne richtige Betäubung einen grausamen Tod sterben zu lassen – nur damit Hunde Fleisch essen können, welches sie „natürlich“ niemals bekommen würden?

……..

Ich selbst hatte das „Glück“ freilebende Hunde in den Bergen Guatemalas beobachten zu können. Also keine Stadt-Straßenhunde die täglich ums Überleben kämpfen und sowieso alles fressen was sie kriegen können, sondern Hunde die die Wahl hatten.
Sie hatten Berge voller Wild welches sie hätten jagen können. Aber nur sehr wenige haben sich für diese Lebensweise entschieden. Viele haben sich entschieden zwischen den Dorfbewohnern zu leben, die freilaufenden Hühner NICHT zu jagen und menschliche Nahrung zu sich zu nehmen. Diese bestand hauptsächlich aus pflanzlicher, den Fleisch ist ein teures Gut in diesen Gegenden.

Ich denke eine frische, selbst zu bereitete Mischkost wäre das gesündeste und „natürlichste“ für Hunde. Was allerdings nicht aussagt, dass eine vegane Ernährung dadurch ungesund wäre.
Im Gegenteil – eine Mischkost ist SEHR ungesund, sogar tödlich, für Millionen von Tieren. Fleischfütterung hat nichts mit Abfallverwertung zu tun, denn es ist ein Millionenschwerer Industriezweig der dahinter steht. Wir unterstützen durch unser Kaufen direkt das Quälen und Töten von anderen Lebewesen die nicht weniger Schmerz empfinden als es Hunde tun.
Tierliebe sollte nicht bei Hunden aufhören, sondern Schweine, Rinder, Hühner und alle anderen Mitlebewesen miteinbeziehen. Denn diese Leiden genauso wie Hunde es tun würden, und ihr größtes Bedürfnis ist wie unser aller:
Ein leidfreies Leben!

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