Archiv | Oktober, 2013

WORTWAHL – Betroffene sexualisierter Gewalt

11 Okt

*TRIGGERWARNUNG*

Die folgenden Inhalte können ggf. (re-)traumatisierende Wirkungen haben


 

Im Bereich WORTWAHL möchte ich zukünftig auf verschiedene Begrifflichkeiten eingehen und ihre bewusste (nicht-)Verwendung erklären.

 

 

 

 

 

Für den Themenbereich „sexualisierte Gewalt“ gibt es verschiedene geläufige Begriffe die Verwendung finden.
Warum ich jedoch die Beschreibung „sexualisierte Gewalt“ anstatt „sexuelle Gewalt“ oder „Missbrauch“ präferiere und diese Verwendung auch für wichtig halte, erklärt die miss-Beratungsstelle sehr treffend:

„Sexualisierte Gewalt ist der Terminus, der das Thema exakt beim Namen nennt. Die anderen, leider noch gebräuchlicheren Ausdrücke sind ungenau und wecken falsche Assoziationen.
Das Wort Missbrauch mit der Vorsilbe “miss-” suggeriert, dass es auch einen guten Gebrauch gibt. Das mag beispielsweise bei Alkohol zutreffen (da wird auch von Alkoholmissbrauch gesprochen). Kinder [und andere Menschen] können aber nicht auf eine “gute” Art sexuell gebraucht und in einer “schlechten” Weise missbraucht werden. Deshalb lehnen wir den Ausdruck sexueller Missbrauch ab.
Ebenso treten bei dem Terminus sexuelle Gewalt Schwierigkeiten auf: sexuell ist das zugehörige Eigenschaftswort zu Sexualität, die in erster Linie etwas sehr Schönes ist. Das hat nichts mit Gewalt und Machtausübung zu tun.
Deshalb bevorzugen wir den Begriff sexualisierte Gewalt. Hier liegt der Schwerpunkt auf Gewalt; in erster Linie wird Gewalt von dem Täter dem Opfer gegenüber ausgeübt. Diese Gewalt kann auf unterschiedliche Weise ausgeübt werden, etwa als körperliche Gewalt, als psychische Gewalt und auch als sexualisierte Gewalt, mit der wir uns befassen. Bei dieser Art wird die Gewalt sexualisiert.“

Sexuelle Gewalt und Missbrauch sind trotzdem gängige Begriffe, auch im Rahmen der professionelen (sozialen) Arbeit in diesem Themenbereich Begriffe jedoch wie „Kinderschändung“ bzw. die Täter_innenbeschreibung „Kinderschänder“ gehören prinzipiell aus dem Wortschatz verbannt. Als Gegenstück der Schande lieg die Ehre zu Grunde. Wenn solche Begriffe nun also verwendet werden impliziert dies vorallem auch, dass Betroffene nun eine Schande mit sich tragen, sie keine Ehre mehr haben und zu einem gewissen Teil auch Mitschuld tragen. Dieser Begriff wird heute insbesondere noch in rechten Kreisen verwendet wie z.B. auf der sehr verbreiteten Facebook-Veranstaltung „1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder“, welche immer wieder durch Werbung für die NPD und Personenüberschneidungen zur NPD auffällt.

Warum sind Betroffene keine „Opfer“?
Oft wird als Gegenstück zu Täter_innen das Wort „Opfer“ benutzt. Dieses wird jedoch von den meisten Betroffenen(-Verbänden) abgelehnt. Der Opferstatus suggeriert Passivität und vorallem auch den Punkt der Endgültigkeit aus dem sich Personen nicht befreien und selbst aktiv werden können

„In diesem Kontext war es nicht immer leicht, den Zuschreibungen der Passivität zu entkommen, die häufig an den Opferbegriff gekoppelt worden. So wurden offensive Forderungen, beispielsweise nach Beratungsstellen, oftmal nur mit einer Reduktion von Frauen auf den Opfer Status gewährt. Auf diese Weise wurde ein Gegensatz vermittelt zwischen den Positionierungen als selbstbewusste Akteurinnen und Opfern von Gewalt. Dieser Gegensatz sprach Betroffenen sexualisierter Gewalt ab, gleichsam selbstbewusst aggieren zu können“
(Quelle: Darum Feminismus! Diskussionen und Praxen)
In dem Buch wird nur von Frauen als Betroffene gesprochen, da es an diesem Punkt den historischen Kontext der Frauenbewegungen beleuchtet. Natürlich gilt diese Umschreibung in gleicher Wichtigkeit für Betroffene aller Geschlechter.

Von ehrlichen Worten und scheuen Rehen

11 Okt

In meiner Utopie über zwischenmenschliche Beziehungen war immer klar, wenn einfach offen über Bedürfnisse und Gefühle gesprochen wird, dann kann nichts schief gehen oder kompliziert werden. Wie falsch ich lag.

Wie schwer es manchmal ist ehrlich zu sein, ohne die Angst damit Menschen zu verschrecken.
Und noch schwerer ist es akzeptieren zu lernen, dass nicht alle Personen ehrlich darauf antworten können oder wollen.

Wie viel leichter würde es sein wenn wir einfach ohne Bedenken unseren Bedürfnissen Raum geben könnten. Und die betreffende Person auch genauso ehrlich antworten darf, auch wenn sie Bedürfnisse nicht erwidert. Aber sie genau dies auch sagen darf, anstatt andere im ungewissen zu lassen.

Dort wo Gefühle und Bedürfnisse offen kommuniziert werden können (von beiden Seiten) erlebe ich das Zusammenleben zwischen Menschen so viel leichter. Keine_r muss Angst haben ehrlich zu sein, auch wenn es Mitteilungen sind die in anderen Kontexten vielleicht als Ablehnung wahrgenommen werden würden.
Doch ich lerne auch, dass nicht alle Personen so offen sein können und_oder wollen. Und auch das muss in Ordnung sein und akzeptiert werden.
Aber ein so emotionsgeleiteter und ehrlicher Mensch wie ich gerät dabei immer wieder an die persönlichen Grenzen diese Menschen einfach sein zu lassen.
Manchmal scheint es als erleichtere ich mit ehrlichen Worten nichts, sondern vertreibe ins Herz geschlossene Menschen wie scheue Rehe….

Projects II – #HaekelKon #QueerKon

4 Okt

Durch Zufall bin ich auf die Video Beiträge der #HaekelKon und #Queerkon 2013 auf Youtube gestoßen.
Die #HaekelKon war im August 2013 eine Konferenz der Piraten zum Thema Inklusion aller Menschen mit dem Ziel vormalig getrennte Themengebiete wie Geschlechter- und Queerpolitik, Asyl- und Migrationspolitik, Barrierefreiheit oder Europapolitik zusammen „zu häkeln“.

Aufmerksam wurde ich durch den Vortrag zur „Polyamorie und die Beziehung zu Queer & Familienpolitik“.
Den Vortrag empfand inhaltlich zum Bereich Polyamory zwar nicht sonderlich ausgereift, jedoch wurde dort eine Brücke zu politischen polyamorösen Forderungen geschlagen – ein Bereich über den ich mir vorher nur wenige Gedanken gemacht habe.
Lebensgemeinschaft statt Ehe und Lebenspartnerschaft ist wohl einer der wichtigen Schlüssebegriffe. Medizinisches Auskunftsrecht für mehr als eine_ Partner_in, Erbeaufteilung und der Status der „Erziehungsberechtigten“ sind wichtige Themen für polyamor lebende Menschen.
Der Vortrag gab zwar Ideenanstätze und Denkanstöße, jedoch leider keine ausgereiften Lösungsvorschläge – schade!

Weiter habe ich dann allerdings einen sehr gelungen Vortrag zum Thema „Sexarbeit als Weg der sexuelen Befreiung“ gefunden.
Ich möchte dazu gar nicht viel sagen, und nur empfehlen diesen zu schauen und verschiedene Gedankenmuster zu durchbrechen.

Auch weitere (mal mehr und mal weniger gute )Vorträge z.B. zur  „Dekonstruktion von Männlichkeit“ oder „Menschenrechtsgeleitete Außenpolitik“ lassen sich dort finden.
Die Vorträge bauen natürlich alle Brücken zur Piratenpolitik und kratzen inhaltlich meist nur an der Oberfläche, eignen sich jedoch trotzdem gut um in verschiedene Themengebiete mal „reinzuschnüffeln“ und sich vielleicht im Nachheinein auch tiefergehend damit zu beschäftigen und kontrovers zu diskutieren. Denn keinesfalls sollte es Sinn sein sich die Vorträge einfach nur anzuhören und dem unreflektiert zu zu stimmen – es gibt sicherlich eine Menge Ansatzpunkte für Kritik und Widerspruch!

In jedem Falle finde ich es wichtig zukünftig in mehr Bereichen dafür zu Sorgen, dass Vorträge auch digital öffentlich zugänglich sind. In diesem Punkt sind die Piraten vielen anderen Organisationen und Konferezen voraus.
Nicht nur zur späteren Erinnerng und für Menschen die keine Zeit hatten, sondern schon allein im Sinne der Barrierefreiheit für z.B. Autist_innen.
Reinhören lohnt sich in jedem Fall….

Auf ihrem „Piraten-Streaming“ Youtube Kanall gibt es noch weitere interessante Vorträge zu diversen Themen zu finden