WORTWAHL – Betroffene sexualisierter Gewalt

11 Okt

*TRIGGERWARNUNG*

Die folgenden Inhalte können ggf. (re-)traumatisierende Wirkungen haben


 

Im Bereich WORTWAHL möchte ich zukünftig auf verschiedene Begrifflichkeiten eingehen und ihre bewusste (nicht-)Verwendung erklären.

 

 

 

 

 

Für den Themenbereich „sexualisierte Gewalt“ gibt es verschiedene geläufige Begriffe die Verwendung finden.
Warum ich jedoch die Beschreibung „sexualisierte Gewalt“ anstatt „sexuelle Gewalt“ oder „Missbrauch“ präferiere und diese Verwendung auch für wichtig halte, erklärt die miss-Beratungsstelle sehr treffend:

„Sexualisierte Gewalt ist der Terminus, der das Thema exakt beim Namen nennt. Die anderen, leider noch gebräuchlicheren Ausdrücke sind ungenau und wecken falsche Assoziationen.
Das Wort Missbrauch mit der Vorsilbe “miss-” suggeriert, dass es auch einen guten Gebrauch gibt. Das mag beispielsweise bei Alkohol zutreffen (da wird auch von Alkoholmissbrauch gesprochen). Kinder [und andere Menschen] können aber nicht auf eine “gute” Art sexuell gebraucht und in einer “schlechten” Weise missbraucht werden. Deshalb lehnen wir den Ausdruck sexueller Missbrauch ab.
Ebenso treten bei dem Terminus sexuelle Gewalt Schwierigkeiten auf: sexuell ist das zugehörige Eigenschaftswort zu Sexualität, die in erster Linie etwas sehr Schönes ist. Das hat nichts mit Gewalt und Machtausübung zu tun.
Deshalb bevorzugen wir den Begriff sexualisierte Gewalt. Hier liegt der Schwerpunkt auf Gewalt; in erster Linie wird Gewalt von dem Täter dem Opfer gegenüber ausgeübt. Diese Gewalt kann auf unterschiedliche Weise ausgeübt werden, etwa als körperliche Gewalt, als psychische Gewalt und auch als sexualisierte Gewalt, mit der wir uns befassen. Bei dieser Art wird die Gewalt sexualisiert.“

Sexuelle Gewalt und Missbrauch sind trotzdem gängige Begriffe, auch im Rahmen der professionelen (sozialen) Arbeit in diesem Themenbereich Begriffe jedoch wie „Kinderschändung“ bzw. die Täter_innenbeschreibung „Kinderschänder“ gehören prinzipiell aus dem Wortschatz verbannt. Als Gegenstück der Schande lieg die Ehre zu Grunde. Wenn solche Begriffe nun also verwendet werden impliziert dies vorallem auch, dass Betroffene nun eine Schande mit sich tragen, sie keine Ehre mehr haben und zu einem gewissen Teil auch Mitschuld tragen. Dieser Begriff wird heute insbesondere noch in rechten Kreisen verwendet wie z.B. auf der sehr verbreiteten Facebook-Veranstaltung „1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder“, welche immer wieder durch Werbung für die NPD und Personenüberschneidungen zur NPD auffällt.

Warum sind Betroffene keine „Opfer“?
Oft wird als Gegenstück zu Täter_innen das Wort „Opfer“ benutzt. Dieses wird jedoch von den meisten Betroffenen(-Verbänden) abgelehnt. Der Opferstatus suggeriert Passivität und vorallem auch den Punkt der Endgültigkeit aus dem sich Personen nicht befreien und selbst aktiv werden können

„In diesem Kontext war es nicht immer leicht, den Zuschreibungen der Passivität zu entkommen, die häufig an den Opferbegriff gekoppelt worden. So wurden offensive Forderungen, beispielsweise nach Beratungsstellen, oftmal nur mit einer Reduktion von Frauen auf den Opfer Status gewährt. Auf diese Weise wurde ein Gegensatz vermittelt zwischen den Positionierungen als selbstbewusste Akteurinnen und Opfern von Gewalt. Dieser Gegensatz sprach Betroffenen sexualisierter Gewalt ab, gleichsam selbstbewusst aggieren zu können“
(Quelle: Darum Feminismus! Diskussionen und Praxen)
In dem Buch wird nur von Frauen als Betroffene gesprochen, da es an diesem Punkt den historischen Kontext der Frauenbewegungen beleuchtet. Natürlich gilt diese Umschreibung in gleicher Wichtigkeit für Betroffene aller Geschlechter.

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