Archiv | Januar, 2014

Blut in Tassen

23 Jan

Einmal im Monat räumt mein Körper auf. Nicht nur meiner, sondern der von einigen Menschen auf dieser Erde. Dann kommt die rote Armee, der rosarote Panther, die Erdbeerwoche, das rote Meer oder irgendein anderer höchst kreativer Name den sich Menschen ausgedacht haben um einen völlig normalen Vorgang bloß nicht beim Namen nennen zu müssen. Denn Menstruation ist immer noch ein Tabuthema über welches nur im Flüsterton geredet wird und am besten noch oben genannte Kosenamen verwendet werden. Sie ist eklig und unrein (NICHT!).

Wahrscheinlich ist das mit Grund warum Viele einfach nur still und heimlich in den nächsten Drogeriemarkt verschwinden und Tampons kaufen, wie es alle tun, ohne drüber nachzudenken ob das wirklich gut so ist oder sich gar darüber auszutauschen.

Weil wir Müllberge produzieren…

16.800 Binden oder Tampons verbraucht eine Frau* laut Reset.org¹ in ihrem Leben. Das sind weltweit 45.000.000.000 pro Jahr – ein unvorstellbarer Müllberg. Und das nicht, wie wir uns gerne einreden, aus Baumwolle sondern hauptsächlich aus Kunststoff, welcher uns sicher noch einige Jahrhunderte erhalten bleibt.

Weil wir uns und Anderen damit nichts gutes tun…

Tampons saugen nicht nur das Blut auf, sondern alle Flüssigkeit. Auch jene die in eine gesunde Scheidenflora rein gehört! Bei empflindlichen Frauen kann das schnell das Gleichgewicht durcheinander bringen und dadurch anfällig für Pilze und Infektionen machen. ³

Ökotest² hat in einigen Tampons krebsverdächtige Substanzen entdeckt. Von den Bleichmitteln und Chemikalien, die bei der Herstellung verwendet werden, gar nicht erst zu reden. Und auch die verwendere Baumwolle wird höchst warhscheinlich mit entsprechend hoher Pestizidbelastung angebaut worden sein. Etwas was ich weder in meinem Körper haben möchte, noch den Ernterbeiter_innen dieser Baumwolle antun möchte. Denn ein Siegel für fair hergestellte Tampons und Binden gibt es bisher nicht!

Doch trotzdem greifen die Meisten auf herkömmliche Tampons und Binden zurück – weil wir es so kennen und die Werbung uns keine Alternativen zeigt!

Quelle: http://www.meluna.org/

Aber es gibt sie ! Die Idee der Menstrutionstasse ist nicht neu, sondern wurde schon in den 30ern erfunden – trotzdem ist sie immernoch wenig verbreitet. Denn sie spielt durch ihre Wiederverwendbarkeit nicht annähernd so viel Geld in die Kasse von Firmen wie es die Produktion von Tampons und Binden tun, und außerdem würde mensch feststellen: Mein Blut ist ja gar nicht so eklig wie es immer dargestellt wird.

Menstruationstassen werden ähnlich verwendet wie Tampons. Mit dem Vorteil das sie weder die Scheidenflora stören noch riesige Müllberge produzieren. Außerdem gibt es sie nicht in sterilem Krankenhaus weiß sondern vielen Farben (und Formen).

Sie fangen das Blut auf, lassen sich einfach entleeren, kurz reinigen und dann über viele Jahre hin.weg wieder und wieder verwenden.
Am Ende der Menstruation koche ich diese entweder aus oder verwende Gebissreiniger Tabs von Dontodent, welche übrigens vegan sind!

Außerdem gibt es auch waschbare Binden und Slipeinlagen. Statt unbequemen und nicht atmungsaktiven Kunststoffeinlagen sind diese aus Baumwolle. Nach dem Verwenden kurz auswaschen und je nach Jahreszeit in der Sonne oder auf der Heizung trocknen lassen. Am Ende der Tage dann einfach einmal richtig waschen – und auch diese sind eine Investition in mehrere Jahre!

Ich persönlich habe mich bei meinem Kauf für Produkte von Me Luna entschieden, da diese auch für Studierende erschwinglich sind und außerdem in Deutschland produziert werden (was ansich natürlich irrelevant ist, aber zumindest schonmal zu krasse Ausbeutungsverhältnisse bei der Herstellung ausschließt!). Es gibt allerdings auch viele andere Firmen und die Möglichkeit sich Slipeinlagen und Binden selbst zu nähen.

Mir hat es außerdem geholfen mich mehr mit meinem Körper auseinander zu setzen. Festzustellen wie viel Blut ich eigentlich wirklich verliere und meine Menstruation nicht mehr als etwas ekliges anzusehen was ich mit krankenhaus-ähnlichen Propfen stoppen und danach schnell entsorgen muss.

Denn drum herum komme ich sowieso nicht! Dann doch lieber gesünder, günstiger, nachhaltiger und vorallem farbenfroher als bisher….

*Frau wurde hier übernommen von reset.org
Ich möchte aber anmerken das ich bewusst probiere auf die Festlegung von Frau = Menstruation zu verzichten! „Some men have vaginas. Get over it! Some women have a penis. Get over it!“ Und andere Frauen haben nicht mehr, noch nicht und werden ihre Menstruation vielleicht auch nie haben.

weiterführende Links:
http://maedchenblog.blogsport.de/2007/01/13/74/

¹ http://reset.org/act/nachhaltige-monatshygiene-kein-muell-der-regel

² http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91680;bernr=10;co=

³ sagt mein Frauenarzt

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gendersensible Sprache I

12 Jan

Ich habe einen kurzen Input für das Seminar „Praxiszentrum Beratung, Bildung und Genderkompetenz“ vorbereitet zum Thema gendergerecht/gendersensibel Sprechen und Schreiben – und wo ich da schonmal was zusammen geschrieben habe mag ich nun die Chance nutzen einige Aspekte nochmal hier zu veröffentlichen.
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«Sprache schafft Wirklichkeit, und die Grenzen der Sprache sind die Grenzen des einzelnen Weltbildes.»
Ludwig Josef Johann Wittgenstein (26.04.1889 – 29.04.1951), Philosoph

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Wir müssen uns der Wechselwirkung bewusst werden, die die gesellschaftliche Realität auf Sprache ausübt und Sprache widerum auf die jeweilige Gesellschaft. Denn Sprache ist eben nicht nur ein Abbild und die Reflexion der Gesellschaft, sondern bestimmt diese aktiv mit!1

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«Mit der Semantik von Worten ist es wie mit anderen soziokulturellen
Gegenständen: Sie sind beweglich und veränderlich,
sie werden für Einzelinteressen instrumentalisiert
und in ideologische Dienste gestellt.»
(Sookee 2008)

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Sprache war und ist immer im Wandel, solange und da die Gesellschaft sich (weiter-)entwickelt hat.
Zu Kolonialzeiten war das N-Wort ein sehr weit verbreiteter Begriff für Schwarze und People of Color, welcher zum Glück endlich nach und nach (wenn auch viel zu langsam) kaum noch genutzt wird (was mensch für viele andere Begriffe aus der Kolonialzeit leider nicht sagen kann, aber das ist ein anderes Thema) . Junge Frauen werden heutzutage nicht mehr sexualisiert als „Jungfrauen“ bezeichnet um auf ihre sexuelle Verfügbarkeit hinzudeuten, und viele andere Begriffe haben sich gewandelt oder verschwinden aus der Sprache – einhergehend mit den gesellschaftlichen Veränderungen. Veränderung bedeutet also keinesfalls etwas negatives, sondern ist notwenig und ein natürlicher Prozess.

Wenn auch nicht einzigartig aber sehr prägend für deutsche Sprache ist die Verwendung des generischen Maskulinum.
Im Detail erklärt findet ihr es dort von dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch:

In Kurzform in eigenen Worten zusammengefasst
(und dadurch sehr fehleranfällig):
Wir haben „der Student“ und „die Studentin“. Die Artikel sind, anders als bei „der Baum“ und „die Flasche“, keine gramatikalischen Geschlechter sondern ihren natürlichen Geschlechtern entsprechend zugeordnet.
Als Oberbegriff dieser beiden Begriffe wird allerdings ausschließlich die männliche Form gewählt „der Student“.
Wenn nun also studierenden Gruppen oder auch eine einzelne Studentin angesprochen werden, geschieht dies immer in der männlichen Form!
Das ist historisch gesehen nicht wirklich verwunderlich, denn bis vor wenigen Jahrzehnten (und auch heute oft genug noch) wurden eben nur Männer gemeint. Wenn eine Frau nicht wählen durfte, nicht über ihre Arbeit selbst entscheiden durfte und allgemein Abhängig war von Familie und/oder Mann war, wurde sie auch nicht mitangesprochen.
Heute sieht das selbstverständlich gaaanz anders aus – da darf sich Frau nämlich netter Weise einfach mitdenken! (ironie)

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«Männer werden fast immer richtig eingeordnet, Frauen
fast nie, denn in unserer Sprache gilt die Regel: 99 Sängerinnen
und ein Sänger sind 100 Sänger.»
(Luise Pusch 1990)

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Unsere Sprache ist stark patriachal geprägt. Wenn wir irgendwann in einer gleichberechtigten und befreiten Gesellschaft leben wollen, sollte sich auch unsere Sprache verändern. Dies gilt insbesondere für die Menschen, welche mir erzählen wir würden schon in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben! Dazu gehören viele Worte und Redewendungen, deren Hintergünde und Herkünft wir uns bewusst machen sollten (dazu nach und nach mehr unter WortWahl).
Aber eben insbesondere eine ‚gegenderte‘ Sprache!

Der Student        Die Studenten
(außer wir meinen wirklich nur Männer)

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1. Substantivierte Verben und AdjektiveDer Studierende      Die Studierende
Die Studierenden
Verben und Adjektive werden substantiviert. Die Pluralform ist geschlechtsneutral und bei der Singularform kann der entsprechende Artikel selbst gewählt werden.

2. Vollstände PaarformDie Studentin und der Student
Die Studentinnen und die Studenten
Bezieht sich nur auf zwei Geschlechter und ist relativ lang.

3. Unterstrich und SternchenDie_der Student_in
Die Student*innen
Beide Formen werden gleich verwendet und haben den Zweck auch Raum zu geben für Menschen die sich nicht einem der beiden Geschlechter zu ordnen können oder wollen (Trans- oder Intersexuelle Menschen, gender queere…).

(4. Schrägstrich/Binnen I)
Die/der Student/in, StudentIn
Die Student/innen, StudentInnen
Nur eingeschränkt zu emfehlen, da es keine Geschlechtersymmetrie herstellt. Nur sinnvoll wenn Platz gespart werden muss. Ähnliches gilt fürs Binnen I, zumal dort bei der Artikel Wahl auf eine der anderen Versionen zurückgegriffen werden muss!

Ich persönlich probiere die Wörter geschlechtsneutral zu substantivieren oder nutze den Unterstrich.

In der gesprochenen Sprache gestaltet sich der Gebrauch schon etwas schwieriger. Zum einen ist es leider relativ anstregend sich umzustelle, ich persönliche Falle sehr oft in einen ungegenderten Sprachgebrauch zurück – da heißt es üben, üben, üben.

Langfristig gehört für mich persönlich auch die Bemühung dazu andere patrichale Begriffe aus meinem Wortschatz zu streichen, doch wenn wir Beginnen würden zumindest personenbezeichnende Substantive zukünftig nicht mehr nur in der männlichen Form wiederzugeben und Frauen und Menschen anderer Geschlechter nur „mitzumeinen“ ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.
Andere, gerade skandinavische, Länder sind sowohl im Sprachgebrauch als auch in der realen Umsetzung schon deutlich weiter. Dies zeigt: Es ist möglich alte Strukturen abzuwerfen! Viele Stiftungen, Universitäten usw. gehen mit positiven Beispiel voran.
Die Uni Leipzig zum Beispiel führt das generische Femininum ein. Nicht weil sie der Meinung wäre, das generische Femininum wäre gerechter, sondern als Protestform um aufzuzeigen, dass sich viele Menschen (insbesondere Männer) diskriminiert fühlen werden sie nur in der weiblichen Form genannt, dies bei der männlichen Form jedoch ’normal‘ ist. Gewohntheit darf keine Ausrede für diskriminierende Strukturreproduktion sein!

Ich habe viel zurückgegriffen auf den Sprachleitfaden der FH Potsdam und Infos von Anatol Stefanowitsch – und habe keinerlei Anspruch auf Richtgkeit!transliberation

1 „Sprache im Blick – Leitfaden für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ FH Potsdam