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Blut in Tassen

23 Jan

Einmal im Monat räumt mein Körper auf. Nicht nur meiner, sondern der von einigen Menschen auf dieser Erde. Dann kommt die rote Armee, der rosarote Panther, die Erdbeerwoche, das rote Meer oder irgendein anderer höchst kreativer Name den sich Menschen ausgedacht haben um einen völlig normalen Vorgang bloß nicht beim Namen nennen zu müssen. Denn Menstruation ist immer noch ein Tabuthema über welches nur im Flüsterton geredet wird und am besten noch oben genannte Kosenamen verwendet werden. Sie ist eklig und unrein (NICHT!).

Wahrscheinlich ist das mit Grund warum Viele einfach nur still und heimlich in den nächsten Drogeriemarkt verschwinden und Tampons kaufen, wie es alle tun, ohne drüber nachzudenken ob das wirklich gut so ist oder sich gar darüber auszutauschen.

Weil wir Müllberge produzieren…

16.800 Binden oder Tampons verbraucht eine Frau* laut Reset.org¹ in ihrem Leben. Das sind weltweit 45.000.000.000 pro Jahr – ein unvorstellbarer Müllberg. Und das nicht, wie wir uns gerne einreden, aus Baumwolle sondern hauptsächlich aus Kunststoff, welcher uns sicher noch einige Jahrhunderte erhalten bleibt.

Weil wir uns und Anderen damit nichts gutes tun…

Tampons saugen nicht nur das Blut auf, sondern alle Flüssigkeit. Auch jene die in eine gesunde Scheidenflora rein gehört! Bei empflindlichen Frauen kann das schnell das Gleichgewicht durcheinander bringen und dadurch anfällig für Pilze und Infektionen machen. ³

Ökotest² hat in einigen Tampons krebsverdächtige Substanzen entdeckt. Von den Bleichmitteln und Chemikalien, die bei der Herstellung verwendet werden, gar nicht erst zu reden. Und auch die verwendere Baumwolle wird höchst warhscheinlich mit entsprechend hoher Pestizidbelastung angebaut worden sein. Etwas was ich weder in meinem Körper haben möchte, noch den Ernterbeiter_innen dieser Baumwolle antun möchte. Denn ein Siegel für fair hergestellte Tampons und Binden gibt es bisher nicht!

Doch trotzdem greifen die Meisten auf herkömmliche Tampons und Binden zurück – weil wir es so kennen und die Werbung uns keine Alternativen zeigt!

Quelle: http://www.meluna.org/

Aber es gibt sie ! Die Idee der Menstrutionstasse ist nicht neu, sondern wurde schon in den 30ern erfunden – trotzdem ist sie immernoch wenig verbreitet. Denn sie spielt durch ihre Wiederverwendbarkeit nicht annähernd so viel Geld in die Kasse von Firmen wie es die Produktion von Tampons und Binden tun, und außerdem würde mensch feststellen: Mein Blut ist ja gar nicht so eklig wie es immer dargestellt wird.

Menstruationstassen werden ähnlich verwendet wie Tampons. Mit dem Vorteil das sie weder die Scheidenflora stören noch riesige Müllberge produzieren. Außerdem gibt es sie nicht in sterilem Krankenhaus weiß sondern vielen Farben (und Formen).

Sie fangen das Blut auf, lassen sich einfach entleeren, kurz reinigen und dann über viele Jahre hin.weg wieder und wieder verwenden.
Am Ende der Menstruation koche ich diese entweder aus oder verwende Gebissreiniger Tabs von Dontodent, welche übrigens vegan sind!

Außerdem gibt es auch waschbare Binden und Slipeinlagen. Statt unbequemen und nicht atmungsaktiven Kunststoffeinlagen sind diese aus Baumwolle. Nach dem Verwenden kurz auswaschen und je nach Jahreszeit in der Sonne oder auf der Heizung trocknen lassen. Am Ende der Tage dann einfach einmal richtig waschen – und auch diese sind eine Investition in mehrere Jahre!

Ich persönlich habe mich bei meinem Kauf für Produkte von Me Luna entschieden, da diese auch für Studierende erschwinglich sind und außerdem in Deutschland produziert werden (was ansich natürlich irrelevant ist, aber zumindest schonmal zu krasse Ausbeutungsverhältnisse bei der Herstellung ausschließt!). Es gibt allerdings auch viele andere Firmen und die Möglichkeit sich Slipeinlagen und Binden selbst zu nähen.

Mir hat es außerdem geholfen mich mehr mit meinem Körper auseinander zu setzen. Festzustellen wie viel Blut ich eigentlich wirklich verliere und meine Menstruation nicht mehr als etwas ekliges anzusehen was ich mit krankenhaus-ähnlichen Propfen stoppen und danach schnell entsorgen muss.

Denn drum herum komme ich sowieso nicht! Dann doch lieber gesünder, günstiger, nachhaltiger und vorallem farbenfroher als bisher….

*Frau wurde hier übernommen von reset.org
Ich möchte aber anmerken das ich bewusst probiere auf die Festlegung von Frau = Menstruation zu verzichten! „Some men have vaginas. Get over it! Some women have a penis. Get over it!“ Und andere Frauen haben nicht mehr, noch nicht und werden ihre Menstruation vielleicht auch nie haben.

weiterführende Links:
http://maedchenblog.blogsport.de/2007/01/13/74/

¹ http://reset.org/act/nachhaltige-monatshygiene-kein-muell-der-regel

² http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=91680;bernr=10;co=

³ sagt mein Frauenarzt

gendersensible Sprache I

12 Jan

Ich habe einen kurzen Input für das Seminar „Praxiszentrum Beratung, Bildung und Genderkompetenz“ vorbereitet zum Thema gendergerecht/gendersensibel Sprechen und Schreiben – und wo ich da schonmal was zusammen geschrieben habe mag ich nun die Chance nutzen einige Aspekte nochmal hier zu veröffentlichen.
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«Sprache schafft Wirklichkeit, und die Grenzen der Sprache sind die Grenzen des einzelnen Weltbildes.»
Ludwig Josef Johann Wittgenstein (26.04.1889 – 29.04.1951), Philosoph

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Wir müssen uns der Wechselwirkung bewusst werden, die die gesellschaftliche Realität auf Sprache ausübt und Sprache widerum auf die jeweilige Gesellschaft. Denn Sprache ist eben nicht nur ein Abbild und die Reflexion der Gesellschaft, sondern bestimmt diese aktiv mit!1

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«Mit der Semantik von Worten ist es wie mit anderen soziokulturellen
Gegenständen: Sie sind beweglich und veränderlich,
sie werden für Einzelinteressen instrumentalisiert
und in ideologische Dienste gestellt.»
(Sookee 2008)

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Sprache war und ist immer im Wandel, solange und da die Gesellschaft sich (weiter-)entwickelt hat.
Zu Kolonialzeiten war das N-Wort ein sehr weit verbreiteter Begriff für Schwarze und People of Color, welcher zum Glück endlich nach und nach (wenn auch viel zu langsam) kaum noch genutzt wird (was mensch für viele andere Begriffe aus der Kolonialzeit leider nicht sagen kann, aber das ist ein anderes Thema) . Junge Frauen werden heutzutage nicht mehr sexualisiert als „Jungfrauen“ bezeichnet um auf ihre sexuelle Verfügbarkeit hinzudeuten, und viele andere Begriffe haben sich gewandelt oder verschwinden aus der Sprache – einhergehend mit den gesellschaftlichen Veränderungen. Veränderung bedeutet also keinesfalls etwas negatives, sondern ist notwenig und ein natürlicher Prozess.

Wenn auch nicht einzigartig aber sehr prägend für deutsche Sprache ist die Verwendung des generischen Maskulinum.
Im Detail erklärt findet ihr es dort von dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch:

In Kurzform in eigenen Worten zusammengefasst
(und dadurch sehr fehleranfällig):
Wir haben „der Student“ und „die Studentin“. Die Artikel sind, anders als bei „der Baum“ und „die Flasche“, keine gramatikalischen Geschlechter sondern ihren natürlichen Geschlechtern entsprechend zugeordnet.
Als Oberbegriff dieser beiden Begriffe wird allerdings ausschließlich die männliche Form gewählt „der Student“.
Wenn nun also studierenden Gruppen oder auch eine einzelne Studentin angesprochen werden, geschieht dies immer in der männlichen Form!
Das ist historisch gesehen nicht wirklich verwunderlich, denn bis vor wenigen Jahrzehnten (und auch heute oft genug noch) wurden eben nur Männer gemeint. Wenn eine Frau nicht wählen durfte, nicht über ihre Arbeit selbst entscheiden durfte und allgemein Abhängig war von Familie und/oder Mann war, wurde sie auch nicht mitangesprochen.
Heute sieht das selbstverständlich gaaanz anders aus – da darf sich Frau nämlich netter Weise einfach mitdenken! (ironie)

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«Männer werden fast immer richtig eingeordnet, Frauen
fast nie, denn in unserer Sprache gilt die Regel: 99 Sängerinnen
und ein Sänger sind 100 Sänger.»
(Luise Pusch 1990)

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Unsere Sprache ist stark patriachal geprägt. Wenn wir irgendwann in einer gleichberechtigten und befreiten Gesellschaft leben wollen, sollte sich auch unsere Sprache verändern. Dies gilt insbesondere für die Menschen, welche mir erzählen wir würden schon in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben! Dazu gehören viele Worte und Redewendungen, deren Hintergünde und Herkünft wir uns bewusst machen sollten (dazu nach und nach mehr unter WortWahl).
Aber eben insbesondere eine ‚gegenderte‘ Sprache!

Der Student        Die Studenten
(außer wir meinen wirklich nur Männer)

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1. Substantivierte Verben und AdjektiveDer Studierende      Die Studierende
Die Studierenden
Verben und Adjektive werden substantiviert. Die Pluralform ist geschlechtsneutral und bei der Singularform kann der entsprechende Artikel selbst gewählt werden.

2. Vollstände PaarformDie Studentin und der Student
Die Studentinnen und die Studenten
Bezieht sich nur auf zwei Geschlechter und ist relativ lang.

3. Unterstrich und SternchenDie_der Student_in
Die Student*innen
Beide Formen werden gleich verwendet und haben den Zweck auch Raum zu geben für Menschen die sich nicht einem der beiden Geschlechter zu ordnen können oder wollen (Trans- oder Intersexuelle Menschen, gender queere…).

(4. Schrägstrich/Binnen I)
Die/der Student/in, StudentIn
Die Student/innen, StudentInnen
Nur eingeschränkt zu emfehlen, da es keine Geschlechtersymmetrie herstellt. Nur sinnvoll wenn Platz gespart werden muss. Ähnliches gilt fürs Binnen I, zumal dort bei der Artikel Wahl auf eine der anderen Versionen zurückgegriffen werden muss!

Ich persönlich probiere die Wörter geschlechtsneutral zu substantivieren oder nutze den Unterstrich.

In der gesprochenen Sprache gestaltet sich der Gebrauch schon etwas schwieriger. Zum einen ist es leider relativ anstregend sich umzustelle, ich persönliche Falle sehr oft in einen ungegenderten Sprachgebrauch zurück – da heißt es üben, üben, üben.

Langfristig gehört für mich persönlich auch die Bemühung dazu andere patrichale Begriffe aus meinem Wortschatz zu streichen, doch wenn wir Beginnen würden zumindest personenbezeichnende Substantive zukünftig nicht mehr nur in der männlichen Form wiederzugeben und Frauen und Menschen anderer Geschlechter nur „mitzumeinen“ ist dies ein Schritt in die richtige Richtung.
Andere, gerade skandinavische, Länder sind sowohl im Sprachgebrauch als auch in der realen Umsetzung schon deutlich weiter. Dies zeigt: Es ist möglich alte Strukturen abzuwerfen! Viele Stiftungen, Universitäten usw. gehen mit positiven Beispiel voran.
Die Uni Leipzig zum Beispiel führt das generische Femininum ein. Nicht weil sie der Meinung wäre, das generische Femininum wäre gerechter, sondern als Protestform um aufzuzeigen, dass sich viele Menschen (insbesondere Männer) diskriminiert fühlen werden sie nur in der weiblichen Form genannt, dies bei der männlichen Form jedoch ’normal‘ ist. Gewohntheit darf keine Ausrede für diskriminierende Strukturreproduktion sein!

Ich habe viel zurückgegriffen auf den Sprachleitfaden der FH Potsdam und Infos von Anatol Stefanowitsch – und habe keinerlei Anspruch auf Richtgkeit!transliberation

1 „Sprache im Blick – Leitfaden für einen geschlechtergerechten Sprachgebrauch“ FH Potsdam

Respekt Kirche?!

29 Dez

Es gibt unzählige Gründe diesen Beitrag der Instutition „katholische Kirche“ zu widmen, doch vor allem einen besonders „feierlichen“…

Zum Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom, gehalten von Kardninal Meißner, stürmte eine Femenaktivistin halbnackt auf den Altar, ihr Oberkörper bemalt mit dem Slogan „I’m god“ (Übersetzung: „Ich bin Gott“)¹.
http://www.youtube.com/watch?v=HLupXOfaJY8
An Femen gibt es eine menge berechtigter Kritik², weshalb ich mich mit Femen-Aktivismus absolut nicht solidarisieren möchte!

Trotzdem finde ich es erstaunlich, dass nun überall diskutiert wird ob es respektlos gegenüber Gläubigen sei eine solche Aktion in einer Kirche durchzuführen, anstatt dass über die eigentlichen Kritikpunkte, welche die Aktion in die Öffentlichkeit bringen wollte, diskutiert wird.
Ich sehe ich die meisten Aktionen mit nackten Frauen*brüsten eher als „Sex sells“-Aktionen, doch kriegt Nacktheit im Kölner Dom als Kritik an der patriarchalen katholischen Kirche durchaus einen sinnvolleren Hintergrund.

Doch wie unsere Gesellschaft nunmal ist, geht es wieder nur um Brüste anstatt um Tatsachen! Es sei respektlos barbrüstig auf den Altar des Kölner Doms zu springen und für 5 Minuten die Messe zu stören?

Ich finde es respektlo, wenn eine der mächtigsten Weltreligionen ihren Gläubigen die Verhütung verbietet und damit zu verhindern, dass Menschen sich vor z.B.: dem HI-Virus schützen können oder auch (weitere) Schwangerschaften, welche zum Teil viel Leid mit sich bringen können, vorzubeugen!³

Ich finde es respektlos die Selbstbestimmung der Frau über ihren eigenen Körper in Form von Abtreibung zu verbieten! ⁴
Gerade erst hat unter anderem die Kirche in Spanien wieder genug Macht ausgeübt um Abtreibung erneut zu verbieten und Spanien damit in Sachen Frauenrechte um mehr als 30 Jahren zurückgeworfen. ⁵ Und Deutschland ist eines der wenigen Länder in denen Frauen* durch den kirchlichen Einfluss die Pille danach immer noch nur durch ein Rezept bekommen und damit zum Teil erniedrigende Prozeduren in Krankenhäuser durchlaufen müssen. ⁶

Ich finde es respektlos wenn eine vergewaltigte Frau bei zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wird, auf ihrer Suche Nach Hilfe in Form von Spurensicherung und der Pille danach.⁷

Ich finde es respektlos wenn Kinder durch Vertrauenspersonen wie Priester sexualisierte Gewalt erfahren und die Kirche sich totschweigt statt Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen. ⁸

Und viele Dinge mehr…..

Solange die katholische Kirche so respektlos gegenüber Menschen agiert und insbesondere Frauen massiv ihre Selbstbestimmungsrechte abspricht, so lange braucht die Kirche auch nicht auf das Recht zur freien Religionsausübung pochen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Religionen beeinflusst das patriarchale Weltbild der katholischen Kirche nicht nur ihre Gläubigen, welche dies mehr oder weniger frei wählen können, sondern ganz stark unsere ganze Politik und damit auch alle anderen Menschen.
Gläubige in der Gemeinde legitimieren und unterstützen, notfalls auch nur durch ihr Schweigen, all diese Dinge. Anstatt nun also Protest aus dem Weg zu räumen sollten die Gründe des Protests aus dem Weg geräumt werden!

Sicherlich gibt es an der Art der Durchführung der Aktion einge Dinge zu kritisieren, wenn mensch unbedingt möchte. Doch wichtig finde ich das überhaupt wieder Widerstand gegen die Machtausübung der Kirche stattfindet und die Menschen anfangen über die Respektlosigkeit der Kirche zu diskutieren und nicht über die Respektlosigkeit von berechtigter Gegenwehr!

 Oder um es zu sagen in den Worten von Herr von Grau:
„Scheiß Zölibat, scheiß Pedophile
scheiß Fresse halte, Scheiße ist schon viel zu viele
Scheiß Übernatur, scheiß Fremdbestimmt
das wird ganz genau die scheiße sein die uns das Ende bringt!
Scheiß auf Gottvertrauen, scheiß die Frau verhauen“

¹ www.fr-online.de/panorama/femen-im-koelner-dom-femen-aktivistin-springt-nackt-auf-altar,1472782,25727842.html

² evibes.blogsport.de/2013/01/29/offener-brief-an-femen-germany/

³ http://www.weltethik.de/ethik/Verhuetung.html

http://www.freitag.de/autoren/cyterion/bischoefe-bestaerken-abtreibungsverbot

http://www.taz.de/!129818/

http://maedchenmannschaft.net/pille-danach-die-rezeptpflicht-bleibt-bestehen/

www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-01/katholische-kliniken-koeln-vergewaltigungsopfer

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/missbrauch-durch-priester-die-hoelle-von-st-philomena-1981620.html

Projects II – #HaekelKon #QueerKon

4 Okt

Durch Zufall bin ich auf die Video Beiträge der #HaekelKon und #Queerkon 2013 auf Youtube gestoßen.
Die #HaekelKon war im August 2013 eine Konferenz der Piraten zum Thema Inklusion aller Menschen mit dem Ziel vormalig getrennte Themengebiete wie Geschlechter- und Queerpolitik, Asyl- und Migrationspolitik, Barrierefreiheit oder Europapolitik zusammen „zu häkeln“.

Aufmerksam wurde ich durch den Vortrag zur „Polyamorie und die Beziehung zu Queer & Familienpolitik“.
Den Vortrag empfand inhaltlich zum Bereich Polyamory zwar nicht sonderlich ausgereift, jedoch wurde dort eine Brücke zu politischen polyamorösen Forderungen geschlagen – ein Bereich über den ich mir vorher nur wenige Gedanken gemacht habe.
Lebensgemeinschaft statt Ehe und Lebenspartnerschaft ist wohl einer der wichtigen Schlüssebegriffe. Medizinisches Auskunftsrecht für mehr als eine_ Partner_in, Erbeaufteilung und der Status der „Erziehungsberechtigten“ sind wichtige Themen für polyamor lebende Menschen.
Der Vortrag gab zwar Ideenanstätze und Denkanstöße, jedoch leider keine ausgereiften Lösungsvorschläge – schade!

Weiter habe ich dann allerdings einen sehr gelungen Vortrag zum Thema „Sexarbeit als Weg der sexuelen Befreiung“ gefunden.
Ich möchte dazu gar nicht viel sagen, und nur empfehlen diesen zu schauen und verschiedene Gedankenmuster zu durchbrechen.

Auch weitere (mal mehr und mal weniger gute )Vorträge z.B. zur  „Dekonstruktion von Männlichkeit“ oder „Menschenrechtsgeleitete Außenpolitik“ lassen sich dort finden.
Die Vorträge bauen natürlich alle Brücken zur Piratenpolitik und kratzen inhaltlich meist nur an der Oberfläche, eignen sich jedoch trotzdem gut um in verschiedene Themengebiete mal „reinzuschnüffeln“ und sich vielleicht im Nachheinein auch tiefergehend damit zu beschäftigen und kontrovers zu diskutieren. Denn keinesfalls sollte es Sinn sein sich die Vorträge einfach nur anzuhören und dem unreflektiert zu zu stimmen – es gibt sicherlich eine Menge Ansatzpunkte für Kritik und Widerspruch!

In jedem Falle finde ich es wichtig zukünftig in mehr Bereichen dafür zu Sorgen, dass Vorträge auch digital öffentlich zugänglich sind. In diesem Punkt sind die Piraten vielen anderen Organisationen und Konferezen voraus.
Nicht nur zur späteren Erinnerng und für Menschen die keine Zeit hatten, sondern schon allein im Sinne der Barrierefreiheit für z.B. Autist_innen.
Reinhören lohnt sich in jedem Fall….

Auf ihrem „Piraten-Streaming“ Youtube Kanall gibt es noch weitere interessante Vorträge zu diversen Themen zu finden

Projects I – Unbreakable & „It’s your fault“

29 Sep

Diese Rubrik möchte ich zukünftig nutzen um (in meinen Augen) interessante Projekte kurz vorzustellen.
Vorweg eine ausdrückliche…

*TRIGGER-WARNUNG* Die folgenden Inhalte handeln von sexueller Gewalt und können ggf. (re)traumatisierend wirken!

 
1. Das Unbreakable Fotografie-Projekt einer jungen Studentin startete mit einer handvoll Fotos und fasst mittlerweile über 2000 Bilder. Zu sehen sind starke und mutige Personen welche Betroffene sexueller Gewalt geworden sind, wie sie Schilder hochhalten mit Zitaten ihrer Täter_innen oder aber auch der Personen von denen sie sich eigentlich Hilfe versprochen hatten.

Zum Projekt:
http://project-unbreakable.org/
http://projectunbreakable.tumblr.com

Bericht im Berliner Morgen:
http://berliner-morgen.com/2013/09/20/project-unbreakable-vergewaltigungsopfer-zitieren-ihre-peiniger/

Außerdem gibt es hier eine explizite Sammlung von betroffenen Männern, um auch dieses Thema hervorzuheben!
http://www.buzzfeed.com/spenceralthouse/male-survivors-of-sexual-assault-quoting-the-people-who-a

 

2. „It’s your fault“ ist ein satirisches Projekt in dem die in Indien bekannte Schauspielerin Kalki Koechlin und die Moderatorin Juhi Pandey Begründungen, mit denen Frauen für Vergewaltigungen oft selbst verantwortlich gemacht werden, überspitzt darstellen.
Teilweise sehr skurill hat das Video trotzdem einen aufrüttelnden Effekt und soll dank des großen Erfolgs nun auch in Hindi und andere indische Sprachen übersetzt werden.

TAZ-Artikel:
http://www.taz.de/Satire-gegen-Vergewaltigungen-in-Indien/!124458/

WARUM? – Herrschaftsfrei lieben

26 Sep

Warum eigentlich habe ich mich entschlossen, das herkömmliche, traditionelle Beziehungskonzept von serieller Monogamie oder auch romantischer Zweierbeziehung (RZB) nicht weiter zu leben?
Gründe dafür gibt es viele. Ausschlaggebend war wohl das innerliche (anfangs nicht definierbare) Gefühl, mich in vergangenen Beziehungen immer „unfrei“ gefühlt zu haben, obwohl ich augenscheinlich doch alles „durfte“. Nur andere Menschen zu gern haben und ggf. auch körperliche Nähe zu teilen, das war ein Tabubruch. Sowohl gesellschaftlich als auch zwischenmenschlich innerhalb der Beziehung.
Irgendwann begann ich, mich mit verschiedenen anderen Liebes- und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen und fand den passenden Menschen in meinem Leben, der genau dies auch wollte und immer noch, nach mehr als zwei Jahren, will und gemeinsam mit mir lebt. Ich habe mich entschieden, Liebe, Gefühle und Sexualität nicht länger als exklusiven Besitzanspruch an aufeinanderfolgende Beziehungen zu „vergeben“ bis diese aus irgendwelchen Gründen „beendet werden“ und die Exklusivität an die nächste Person versprochen wird (serielle Monogamie).
Meine Gefühle und meine Sexualität gehören nur mir. Meine Liebe wird nicht weniger, wenn ich sie teile. Ich selbst kann entscheiden, wann ich was mit wem teilen möchte und ich möchte auch über andere Personen nicht weiter bestimmen (dürfen). Auch wenn das manchmal in der Theorie leichter klingt als es in der Praxis ist, es ein langer und stetiger Lernweg ist und ich sicherlich noch nicht an dem Punkt bin, diese Besitzansprüche auf Liebe & Sexualität, welche mir mein Leben lang als normal und richtig eingetrichtert worden sind, vollkommen abzulegen, weiß ich – anders könnt ich nicht mehr.
Sich damit zu beschäftigen, anders zu lieben, als es uns die Norm vorgibt, wirft zwangsläufig viele Fragen und Überlegungen auf …

LiebeFreiLOGO02

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Oh my lover
Don’t you know it’s alright ?
You can love her
You can love me at the same time
Much to discover

PJ Harvey – Oh my lover
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Wieso wird es gesellschaftlich eigentlich immer früher oder später verlangt, die Beziehung zu anderen Menschen zu definieren und in abgesteckte Rahmen zu pressen? Wieso darf ich mehrere „Freundschaften“ haben, mehrere Kinder und Familienmitglieder lieben – aber nur eine Person im Sinne einer Partnerschaft? Die Gesellschaft zwängt Liebe in Regeln, welche eingehalten werden müssen. Uns wird durch Medien und Erziehung eingeprägt, dass wir alle a) eine_n Partner_in brauchen, um glücklich zu werden und b) vor allem, dass es nur „wahre Liebe“ sei, wenn diese Liebe sich nur auf eine einzige Person beschränkt. Aber ich frage mich: Kann serielle Monogamie, die auf Regeln und Besitzansprüchen beruht, wirklich “mehr Liebe“ sein als zwischenmenschliche Beziehungen, welche einfach das Gefühl und die Bedürfnisse leben und lieben – ohne dabei Regeln aufzustellen und andere Personen durch Verbote und Exklusivitätsrechte zum Eigentum erklären? Und was genau ist überhaupt „wahre Liebe“? Heißt es meine_n Partner_in nach und nach so sehr an mich anzupassen, dass wir ohneeinander irgendwann nicht mehr können? Wo gibt es dieses Traumpaar, bei dem auch nach Jahren noch alle Bedürfnisse gleich ticken und sich keine_r der beiden einschränken muss? Es wird immer behauptet „wahre Liebe“ hieße, den Menschen so zu akzeptieren, wie sie_er ist. Aber in welcher dieser Traumbeziehungen um uns herum ist das überhaupt der Fall? Menschen entwickeln sich weiter, sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse – und genau das ist auch gut so! Wenn wir uns stetig nur nach einer einzigen Person richten, besteht die Gefahr, sich selbst stark zu verbiegen, ohne es bewusst als dieses wahrzunehmen (oder gar als positiv wahrzunehmen) und Chancen zu verpassen, da es statt Vielfalt eine Einfalt gibt. Wieso sollte ich nur, weil ich auch Gefühle und Zuneigung für eine zweite Person entwickle, die andere Person weniger mögen? Dies würde ein begrenztes Kontingent an verfügbarer Liebe voraussetzen. Sicherlich gibt es ein begrenztes Kontingent an verfügbarer Zeit und je mehr Menschen eine wichtige Rolle im Leben einer Person spielen, desto weniger Zeit bleibt ggf. für die einzelne, aber das ist nicht anders als mit herkömmlichen Freundschaften auch. Dass es jedoch ein begrenztes Kontingent an Liebe gibt, kann ich nicht glauben.

Wir können nicht verhindern, dass sich der_die Partner_in jemals in eine andere Person verlieben wird – auch in monogamen Beziehungen ist dies Alltag. Oft werden diese Gefühle nur unterdrückt, sie werden heimlich ausgelebt oder die Person muss sich für eine der beiden Personen entscheiden. Wieso muss ich mich entscheiden, eine wundervolle Liebe zu beenden, nur um auch andere Personen gern zu haben? Viele Menschen sagen mir, sie selbst hätten gar nicht das Bedürfnis nach anderen Personen. Das glaube ich voll und ganz! Es wäre auch komisch, wenn wir ständig “auf der Suche” durch die Gegend laufen würden. Aber fast keine Person, welche schon längerfristige Beziehungen erlebt hat, kann bestreiten, dass irgendwann andere Personen, die mensch interessant findet, ins Leben kommen und er_sie sich dann für eine der oben genannten Möglichkeiten entscheiden musste – und damit entweder natürliche Bedürfnisse unterdrückt oder aber einen geliebten Menschen aufgeben und verletzen muss. Warum? Warum nicht einfach diese Gegebenheit akzeptieren und einen neuen Weg finden?!

Wirklich schlüssig scheint mir diese scheinbare Sicherheit heutzutage nicht mehr. Schon gar nicht, wenn wir bedenken, wie lange diese “seriell monogamen Beziehungen” heutzutage wirklich andauern, wie viel Leid sie oft am Ende mit sich bringen und wie hoch die Rate des aktiven Fremdgehens oder einfach nur des Fremddenkens ist. Ich möchte weder die Gedanken, Gefühle, Handlungen und Bedürfnisse einer anderen Person weiter einsperren und unterdrücken, nur um mir selbst eine Sicherheit und ein Exklusivrecht zu erkämpfen, welches am Ende meinem Ego dient, nicht aber dem Wohle der Person, welche ich liebe. Wenn ich Rücksicht auf andere aktuelle Gefühls- und Lebenssituationen von Menschen nehmen möchte, in Form von Verzicht und Rücksicht, kann ich oder die andere Person dies tun – aber aus Liebe heraus und aus dem gemeinsamen Bedürfnis füreinander da zu sein in dieser Zeit und nicht aus einem gesellschaftlichen Vertrag heraus. Liebe sollte nicht in Regeln gezwungen werden, sondern einfach gelebt werden dürfen!

Ich möchte mit diesem Text nicht behaupten, welche Liebes- und Lebensform die richtige sei, denn ich denke „die richtige“ gibt es nicht. Das sind einfach nur meine ganz subjektiven Gedanken und Schlüsse – diese können für andere Menschen wieder komplett unterschiedlich ausfallen und ich möchte damit keinesfalls Menschen, die sich bewusst für eine monogame Liebesbeziehung entschieden haben, diskreditieren oder ihren Weg “abwerten”!

Sexualisierte Gewalt – Daten und Fakten

14 Sep

*TRIGGER-WARNUNG*

Weltweit:
Jede 3. Frau weltweit war bereits Opfer von Gewalt, wurde geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen, vergewaltigt oder in anderer Form misshandelt.

Deutschland:
Jede 4. Frau ist in Deutschland täglich Opfer von (häuslicher) Gewalt. Ihr eigenes zuhause ist der gefährlichste Ort für diese Frauen!

Jährlich fliehen in Deutschland rund 40.0000 Frauen mit ihren Kindern in Frauenhäuser.

Jede 3. Frau ist in Deutschland sexueller Belästigung sowie sexueller Nötigung am Arbeitsplatz ausgesetzt.

In Deutschland werden TÄGLICH 128,4 Frauen Opfer von sexuellen Übergriffen und sexuellem Missbrauch.

In DEUTSCHLAND genügt es nach der AKTUELLEN Gesetzeslage nicht, wenn eine Frau oder ein Mädchen „NEIN!“ zu ihrem Peiniger sagt.

(Quelle:  http://www.onebillionrising.de/)
Oder anders ausgedrückt…

Jede 7. Frau ab dem 16. Lebensjahr wurd mindestens einmal in ihrem Leben vergewaltigt.

Jede 3. bis 4. Mädchen/Frau hat in ihrem Leben sexualisierte Gewalt erfahren.

Jeder 7.bis 8. Junge/Mann hat in seiner Kindheit sexualisierte Gewalt erlebt.

Mehr als jede zweite Frau (58%) im ALter zwischen 16 und 85 Jahren hat in ihrem bisherigem Leben sexuelle Belästigung erlebt.

70-80% der Täter stammen aus dem soialen Nahbereich der Betroffenen (Väter, Onkel, Nachbarn, Lehrer, Freunde, Partner etc.).

98% der Täter sind männlich.
Meist ist die Tat geplant.

Sowohl die Betroffenen, als auch die Täter stammen aus allen (Bildungs-)Schichten – dieser Faktor spielt demnach keine Rolle.

Befragungen mit verurteilten Sexualstraftätern haben 3 Tatmotive ergeben: Machtwille (70%), Wut (25%), Sadismus (5%). Dies widerlegt die sogenannte „Treibtäter-Theorie“ sehr deutlich.

(Quelle: Buch „Antisexismus_reloaded Zum Umgang mit sexualisierter Gewalt – ein Handbuch für die antisexistische Praxis“)

Violence-against-women_2332Quelle: http://testament25.blogspot.de/2011/08/structural-violence-against-women-in.html