Memo an mich selbst….

29 Dez

Die letzten Monate habe ich immer wieder Blogeinträge angefangen und sie wieder verworfen weil sie meinen eigenen Ansprüchen nicht genügten.

Deswegen Memo an mich selbst:
Grundidee dieses Blogs war es meine eigenen Gedanken nieder zu schreiben. In erster Linie für MICH und Freund_innen.
Also runter den Anspruch und anfangen zu schreiben – das ist schließlich kein wissenschaftliches Magazin sondern meine kleine Gedankensammlung!

Scheiß Leistungs- und Perfektionsgesellschaft nicht noch weiter in meinen Kopf einziehen lassen!

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Respekt Kirche?!

29 Dez

Es gibt unzählige Gründe diesen Beitrag der Instutition „katholische Kirche“ zu widmen, doch vor allem einen besonders „feierlichen“…

Zum Weihnachtsgottesdienst im Kölner Dom, gehalten von Kardninal Meißner, stürmte eine Femenaktivistin halbnackt auf den Altar, ihr Oberkörper bemalt mit dem Slogan „I’m god“ (Übersetzung: „Ich bin Gott“)¹.
http://www.youtube.com/watch?v=HLupXOfaJY8
An Femen gibt es eine menge berechtigter Kritik², weshalb ich mich mit Femen-Aktivismus absolut nicht solidarisieren möchte!

Trotzdem finde ich es erstaunlich, dass nun überall diskutiert wird ob es respektlos gegenüber Gläubigen sei eine solche Aktion in einer Kirche durchzuführen, anstatt dass über die eigentlichen Kritikpunkte, welche die Aktion in die Öffentlichkeit bringen wollte, diskutiert wird.
Ich sehe ich die meisten Aktionen mit nackten Frauen*brüsten eher als „Sex sells“-Aktionen, doch kriegt Nacktheit im Kölner Dom als Kritik an der patriarchalen katholischen Kirche durchaus einen sinnvolleren Hintergrund.

Doch wie unsere Gesellschaft nunmal ist, geht es wieder nur um Brüste anstatt um Tatsachen! Es sei respektlos barbrüstig auf den Altar des Kölner Doms zu springen und für 5 Minuten die Messe zu stören?

Ich finde es respektlo, wenn eine der mächtigsten Weltreligionen ihren Gläubigen die Verhütung verbietet und damit zu verhindern, dass Menschen sich vor z.B.: dem HI-Virus schützen können oder auch (weitere) Schwangerschaften, welche zum Teil viel Leid mit sich bringen können, vorzubeugen!³

Ich finde es respektlos die Selbstbestimmung der Frau über ihren eigenen Körper in Form von Abtreibung zu verbieten! ⁴
Gerade erst hat unter anderem die Kirche in Spanien wieder genug Macht ausgeübt um Abtreibung erneut zu verbieten und Spanien damit in Sachen Frauenrechte um mehr als 30 Jahren zurückgeworfen. ⁵ Und Deutschland ist eines der wenigen Länder in denen Frauen* durch den kirchlichen Einfluss die Pille danach immer noch nur durch ein Rezept bekommen und damit zum Teil erniedrigende Prozeduren in Krankenhäuser durchlaufen müssen. ⁶

Ich finde es respektlos wenn eine vergewaltigte Frau bei zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wird, auf ihrer Suche Nach Hilfe in Form von Spurensicherung und der Pille danach.⁷

Ich finde es respektlos wenn Kinder durch Vertrauenspersonen wie Priester sexualisierte Gewalt erfahren und die Kirche sich totschweigt statt Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu ziehen. ⁸

Und viele Dinge mehr…..

Solange die katholische Kirche so respektlos gegenüber Menschen agiert und insbesondere Frauen massiv ihre Selbstbestimmungsrechte abspricht, so lange braucht die Kirche auch nicht auf das Recht zur freien Religionsausübung pochen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Religionen beeinflusst das patriarchale Weltbild der katholischen Kirche nicht nur ihre Gläubigen, welche dies mehr oder weniger frei wählen können, sondern ganz stark unsere ganze Politik und damit auch alle anderen Menschen.
Gläubige in der Gemeinde legitimieren und unterstützen, notfalls auch nur durch ihr Schweigen, all diese Dinge. Anstatt nun also Protest aus dem Weg zu räumen sollten die Gründe des Protests aus dem Weg geräumt werden!

Sicherlich gibt es an der Art der Durchführung der Aktion einge Dinge zu kritisieren, wenn mensch unbedingt möchte. Doch wichtig finde ich das überhaupt wieder Widerstand gegen die Machtausübung der Kirche stattfindet und die Menschen anfangen über die Respektlosigkeit der Kirche zu diskutieren und nicht über die Respektlosigkeit von berechtigter Gegenwehr!

 Oder um es zu sagen in den Worten von Herr von Grau:
„Scheiß Zölibat, scheiß Pedophile
scheiß Fresse halte, Scheiße ist schon viel zu viele
Scheiß Übernatur, scheiß Fremdbestimmt
das wird ganz genau die scheiße sein die uns das Ende bringt!
Scheiß auf Gottvertrauen, scheiß die Frau verhauen“

¹ www.fr-online.de/panorama/femen-im-koelner-dom-femen-aktivistin-springt-nackt-auf-altar,1472782,25727842.html

² evibes.blogsport.de/2013/01/29/offener-brief-an-femen-germany/

³ http://www.weltethik.de/ethik/Verhuetung.html

http://www.freitag.de/autoren/cyterion/bischoefe-bestaerken-abtreibungsverbot

http://www.taz.de/!129818/

http://maedchenmannschaft.net/pille-danach-die-rezeptpflicht-bleibt-bestehen/

www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-01/katholische-kliniken-koeln-vergewaltigungsopfer

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/missbrauch-durch-priester-die-hoelle-von-st-philomena-1981620.html

WORTWAHL – Betroffene sexualisierter Gewalt

11 Okt

*TRIGGERWARNUNG*

Die folgenden Inhalte können ggf. (re-)traumatisierende Wirkungen haben


 

Im Bereich WORTWAHL möchte ich zukünftig auf verschiedene Begrifflichkeiten eingehen und ihre bewusste (nicht-)Verwendung erklären.

 

 

 

 

 

Für den Themenbereich „sexualisierte Gewalt“ gibt es verschiedene geläufige Begriffe die Verwendung finden.
Warum ich jedoch die Beschreibung „sexualisierte Gewalt“ anstatt „sexuelle Gewalt“ oder „Missbrauch“ präferiere und diese Verwendung auch für wichtig halte, erklärt die miss-Beratungsstelle sehr treffend:

„Sexualisierte Gewalt ist der Terminus, der das Thema exakt beim Namen nennt. Die anderen, leider noch gebräuchlicheren Ausdrücke sind ungenau und wecken falsche Assoziationen.
Das Wort Missbrauch mit der Vorsilbe “miss-” suggeriert, dass es auch einen guten Gebrauch gibt. Das mag beispielsweise bei Alkohol zutreffen (da wird auch von Alkoholmissbrauch gesprochen). Kinder [und andere Menschen] können aber nicht auf eine “gute” Art sexuell gebraucht und in einer “schlechten” Weise missbraucht werden. Deshalb lehnen wir den Ausdruck sexueller Missbrauch ab.
Ebenso treten bei dem Terminus sexuelle Gewalt Schwierigkeiten auf: sexuell ist das zugehörige Eigenschaftswort zu Sexualität, die in erster Linie etwas sehr Schönes ist. Das hat nichts mit Gewalt und Machtausübung zu tun.
Deshalb bevorzugen wir den Begriff sexualisierte Gewalt. Hier liegt der Schwerpunkt auf Gewalt; in erster Linie wird Gewalt von dem Täter dem Opfer gegenüber ausgeübt. Diese Gewalt kann auf unterschiedliche Weise ausgeübt werden, etwa als körperliche Gewalt, als psychische Gewalt und auch als sexualisierte Gewalt, mit der wir uns befassen. Bei dieser Art wird die Gewalt sexualisiert.“

Sexuelle Gewalt und Missbrauch sind trotzdem gängige Begriffe, auch im Rahmen der professionelen (sozialen) Arbeit in diesem Themenbereich Begriffe jedoch wie „Kinderschändung“ bzw. die Täter_innenbeschreibung „Kinderschänder“ gehören prinzipiell aus dem Wortschatz verbannt. Als Gegenstück der Schande lieg die Ehre zu Grunde. Wenn solche Begriffe nun also verwendet werden impliziert dies vorallem auch, dass Betroffene nun eine Schande mit sich tragen, sie keine Ehre mehr haben und zu einem gewissen Teil auch Mitschuld tragen. Dieser Begriff wird heute insbesondere noch in rechten Kreisen verwendet wie z.B. auf der sehr verbreiteten Facebook-Veranstaltung „1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder“, welche immer wieder durch Werbung für die NPD und Personenüberschneidungen zur NPD auffällt.

Warum sind Betroffene keine „Opfer“?
Oft wird als Gegenstück zu Täter_innen das Wort „Opfer“ benutzt. Dieses wird jedoch von den meisten Betroffenen(-Verbänden) abgelehnt. Der Opferstatus suggeriert Passivität und vorallem auch den Punkt der Endgültigkeit aus dem sich Personen nicht befreien und selbst aktiv werden können

„In diesem Kontext war es nicht immer leicht, den Zuschreibungen der Passivität zu entkommen, die häufig an den Opferbegriff gekoppelt worden. So wurden offensive Forderungen, beispielsweise nach Beratungsstellen, oftmal nur mit einer Reduktion von Frauen auf den Opfer Status gewährt. Auf diese Weise wurde ein Gegensatz vermittelt zwischen den Positionierungen als selbstbewusste Akteurinnen und Opfern von Gewalt. Dieser Gegensatz sprach Betroffenen sexualisierter Gewalt ab, gleichsam selbstbewusst aggieren zu können“
(Quelle: Darum Feminismus! Diskussionen und Praxen)
In dem Buch wird nur von Frauen als Betroffene gesprochen, da es an diesem Punkt den historischen Kontext der Frauenbewegungen beleuchtet. Natürlich gilt diese Umschreibung in gleicher Wichtigkeit für Betroffene aller Geschlechter.

Von ehrlichen Worten und scheuen Rehen

11 Okt

In meiner Utopie über zwischenmenschliche Beziehungen war immer klar, wenn einfach offen über Bedürfnisse und Gefühle gesprochen wird, dann kann nichts schief gehen oder kompliziert werden. Wie falsch ich lag.

Wie schwer es manchmal ist ehrlich zu sein, ohne die Angst damit Menschen zu verschrecken.
Und noch schwerer ist es akzeptieren zu lernen, dass nicht alle Personen ehrlich darauf antworten können oder wollen.

Wie viel leichter würde es sein wenn wir einfach ohne Bedenken unseren Bedürfnissen Raum geben könnten. Und die betreffende Person auch genauso ehrlich antworten darf, auch wenn sie Bedürfnisse nicht erwidert. Aber sie genau dies auch sagen darf, anstatt andere im ungewissen zu lassen.

Dort wo Gefühle und Bedürfnisse offen kommuniziert werden können (von beiden Seiten) erlebe ich das Zusammenleben zwischen Menschen so viel leichter. Keine_r muss Angst haben ehrlich zu sein, auch wenn es Mitteilungen sind die in anderen Kontexten vielleicht als Ablehnung wahrgenommen werden würden.
Doch ich lerne auch, dass nicht alle Personen so offen sein können und_oder wollen. Und auch das muss in Ordnung sein und akzeptiert werden.
Aber ein so emotionsgeleiteter und ehrlicher Mensch wie ich gerät dabei immer wieder an die persönlichen Grenzen diese Menschen einfach sein zu lassen.
Manchmal scheint es als erleichtere ich mit ehrlichen Worten nichts, sondern vertreibe ins Herz geschlossene Menschen wie scheue Rehe….

Projects II – #HaekelKon #QueerKon

4 Okt

Durch Zufall bin ich auf die Video Beiträge der #HaekelKon und #Queerkon 2013 auf Youtube gestoßen.
Die #HaekelKon war im August 2013 eine Konferenz der Piraten zum Thema Inklusion aller Menschen mit dem Ziel vormalig getrennte Themengebiete wie Geschlechter- und Queerpolitik, Asyl- und Migrationspolitik, Barrierefreiheit oder Europapolitik zusammen „zu häkeln“.

Aufmerksam wurde ich durch den Vortrag zur „Polyamorie und die Beziehung zu Queer & Familienpolitik“.
Den Vortrag empfand inhaltlich zum Bereich Polyamory zwar nicht sonderlich ausgereift, jedoch wurde dort eine Brücke zu politischen polyamorösen Forderungen geschlagen – ein Bereich über den ich mir vorher nur wenige Gedanken gemacht habe.
Lebensgemeinschaft statt Ehe und Lebenspartnerschaft ist wohl einer der wichtigen Schlüssebegriffe. Medizinisches Auskunftsrecht für mehr als eine_ Partner_in, Erbeaufteilung und der Status der „Erziehungsberechtigten“ sind wichtige Themen für polyamor lebende Menschen.
Der Vortrag gab zwar Ideenanstätze und Denkanstöße, jedoch leider keine ausgereiften Lösungsvorschläge – schade!

Weiter habe ich dann allerdings einen sehr gelungen Vortrag zum Thema „Sexarbeit als Weg der sexuelen Befreiung“ gefunden.
Ich möchte dazu gar nicht viel sagen, und nur empfehlen diesen zu schauen und verschiedene Gedankenmuster zu durchbrechen.

Auch weitere (mal mehr und mal weniger gute )Vorträge z.B. zur  „Dekonstruktion von Männlichkeit“ oder „Menschenrechtsgeleitete Außenpolitik“ lassen sich dort finden.
Die Vorträge bauen natürlich alle Brücken zur Piratenpolitik und kratzen inhaltlich meist nur an der Oberfläche, eignen sich jedoch trotzdem gut um in verschiedene Themengebiete mal „reinzuschnüffeln“ und sich vielleicht im Nachheinein auch tiefergehend damit zu beschäftigen und kontrovers zu diskutieren. Denn keinesfalls sollte es Sinn sein sich die Vorträge einfach nur anzuhören und dem unreflektiert zu zu stimmen – es gibt sicherlich eine Menge Ansatzpunkte für Kritik und Widerspruch!

In jedem Falle finde ich es wichtig zukünftig in mehr Bereichen dafür zu Sorgen, dass Vorträge auch digital öffentlich zugänglich sind. In diesem Punkt sind die Piraten vielen anderen Organisationen und Konferezen voraus.
Nicht nur zur späteren Erinnerng und für Menschen die keine Zeit hatten, sondern schon allein im Sinne der Barrierefreiheit für z.B. Autist_innen.
Reinhören lohnt sich in jedem Fall….

Auf ihrem „Piraten-Streaming“ Youtube Kanall gibt es noch weitere interessante Vorträge zu diversen Themen zu finden

Projects I – Unbreakable & „It’s your fault“

29 Sep

Diese Rubrik möchte ich zukünftig nutzen um (in meinen Augen) interessante Projekte kurz vorzustellen.
Vorweg eine ausdrückliche…

*TRIGGER-WARNUNG* Die folgenden Inhalte handeln von sexueller Gewalt und können ggf. (re)traumatisierend wirken!

 
1. Das Unbreakable Fotografie-Projekt einer jungen Studentin startete mit einer handvoll Fotos und fasst mittlerweile über 2000 Bilder. Zu sehen sind starke und mutige Personen welche Betroffene sexueller Gewalt geworden sind, wie sie Schilder hochhalten mit Zitaten ihrer Täter_innen oder aber auch der Personen von denen sie sich eigentlich Hilfe versprochen hatten.

Zum Projekt:
http://project-unbreakable.org/
http://projectunbreakable.tumblr.com

Bericht im Berliner Morgen:
http://berliner-morgen.com/2013/09/20/project-unbreakable-vergewaltigungsopfer-zitieren-ihre-peiniger/

Außerdem gibt es hier eine explizite Sammlung von betroffenen Männern, um auch dieses Thema hervorzuheben!
http://www.buzzfeed.com/spenceralthouse/male-survivors-of-sexual-assault-quoting-the-people-who-a

 

2. „It’s your fault“ ist ein satirisches Projekt in dem die in Indien bekannte Schauspielerin Kalki Koechlin und die Moderatorin Juhi Pandey Begründungen, mit denen Frauen für Vergewaltigungen oft selbst verantwortlich gemacht werden, überspitzt darstellen.
Teilweise sehr skurill hat das Video trotzdem einen aufrüttelnden Effekt und soll dank des großen Erfolgs nun auch in Hindi und andere indische Sprachen übersetzt werden.

TAZ-Artikel:
http://www.taz.de/Satire-gegen-Vergewaltigungen-in-Indien/!124458/

WARUM? – Herrschaftsfrei lieben

26 Sep

Warum eigentlich habe ich mich entschlossen, das herkömmliche, traditionelle Beziehungskonzept von serieller Monogamie oder auch romantischer Zweierbeziehung (RZB) nicht weiter zu leben?
Gründe dafür gibt es viele. Ausschlaggebend war wohl das innerliche (anfangs nicht definierbare) Gefühl, mich in vergangenen Beziehungen immer „unfrei“ gefühlt zu haben, obwohl ich augenscheinlich doch alles „durfte“. Nur andere Menschen zu gern haben und ggf. auch körperliche Nähe zu teilen, das war ein Tabubruch. Sowohl gesellschaftlich als auch zwischenmenschlich innerhalb der Beziehung.
Irgendwann begann ich, mich mit verschiedenen anderen Liebes- und Lebensentwürfen auseinanderzusetzen und fand den passenden Menschen in meinem Leben, der genau dies auch wollte und immer noch, nach mehr als zwei Jahren, will und gemeinsam mit mir lebt. Ich habe mich entschieden, Liebe, Gefühle und Sexualität nicht länger als exklusiven Besitzanspruch an aufeinanderfolgende Beziehungen zu „vergeben“ bis diese aus irgendwelchen Gründen „beendet werden“ und die Exklusivität an die nächste Person versprochen wird (serielle Monogamie).
Meine Gefühle und meine Sexualität gehören nur mir. Meine Liebe wird nicht weniger, wenn ich sie teile. Ich selbst kann entscheiden, wann ich was mit wem teilen möchte und ich möchte auch über andere Personen nicht weiter bestimmen (dürfen). Auch wenn das manchmal in der Theorie leichter klingt als es in der Praxis ist, es ein langer und stetiger Lernweg ist und ich sicherlich noch nicht an dem Punkt bin, diese Besitzansprüche auf Liebe & Sexualität, welche mir mein Leben lang als normal und richtig eingetrichtert worden sind, vollkommen abzulegen, weiß ich – anders könnt ich nicht mehr.
Sich damit zu beschäftigen, anders zu lieben, als es uns die Norm vorgibt, wirft zwangsläufig viele Fragen und Überlegungen auf …

LiebeFreiLOGO02

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Oh my lover
Don’t you know it’s alright ?
You can love her
You can love me at the same time
Much to discover

PJ Harvey – Oh my lover
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Wieso wird es gesellschaftlich eigentlich immer früher oder später verlangt, die Beziehung zu anderen Menschen zu definieren und in abgesteckte Rahmen zu pressen? Wieso darf ich mehrere „Freundschaften“ haben, mehrere Kinder und Familienmitglieder lieben – aber nur eine Person im Sinne einer Partnerschaft? Die Gesellschaft zwängt Liebe in Regeln, welche eingehalten werden müssen. Uns wird durch Medien und Erziehung eingeprägt, dass wir alle a) eine_n Partner_in brauchen, um glücklich zu werden und b) vor allem, dass es nur „wahre Liebe“ sei, wenn diese Liebe sich nur auf eine einzige Person beschränkt. Aber ich frage mich: Kann serielle Monogamie, die auf Regeln und Besitzansprüchen beruht, wirklich “mehr Liebe“ sein als zwischenmenschliche Beziehungen, welche einfach das Gefühl und die Bedürfnisse leben und lieben – ohne dabei Regeln aufzustellen und andere Personen durch Verbote und Exklusivitätsrechte zum Eigentum erklären? Und was genau ist überhaupt „wahre Liebe“? Heißt es meine_n Partner_in nach und nach so sehr an mich anzupassen, dass wir ohneeinander irgendwann nicht mehr können? Wo gibt es dieses Traumpaar, bei dem auch nach Jahren noch alle Bedürfnisse gleich ticken und sich keine_r der beiden einschränken muss? Es wird immer behauptet „wahre Liebe“ hieße, den Menschen so zu akzeptieren, wie sie_er ist. Aber in welcher dieser Traumbeziehungen um uns herum ist das überhaupt der Fall? Menschen entwickeln sich weiter, sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Bedürfnisse – und genau das ist auch gut so! Wenn wir uns stetig nur nach einer einzigen Person richten, besteht die Gefahr, sich selbst stark zu verbiegen, ohne es bewusst als dieses wahrzunehmen (oder gar als positiv wahrzunehmen) und Chancen zu verpassen, da es statt Vielfalt eine Einfalt gibt. Wieso sollte ich nur, weil ich auch Gefühle und Zuneigung für eine zweite Person entwickle, die andere Person weniger mögen? Dies würde ein begrenztes Kontingent an verfügbarer Liebe voraussetzen. Sicherlich gibt es ein begrenztes Kontingent an verfügbarer Zeit und je mehr Menschen eine wichtige Rolle im Leben einer Person spielen, desto weniger Zeit bleibt ggf. für die einzelne, aber das ist nicht anders als mit herkömmlichen Freundschaften auch. Dass es jedoch ein begrenztes Kontingent an Liebe gibt, kann ich nicht glauben.

Wir können nicht verhindern, dass sich der_die Partner_in jemals in eine andere Person verlieben wird – auch in monogamen Beziehungen ist dies Alltag. Oft werden diese Gefühle nur unterdrückt, sie werden heimlich ausgelebt oder die Person muss sich für eine der beiden Personen entscheiden. Wieso muss ich mich entscheiden, eine wundervolle Liebe zu beenden, nur um auch andere Personen gern zu haben? Viele Menschen sagen mir, sie selbst hätten gar nicht das Bedürfnis nach anderen Personen. Das glaube ich voll und ganz! Es wäre auch komisch, wenn wir ständig “auf der Suche” durch die Gegend laufen würden. Aber fast keine Person, welche schon längerfristige Beziehungen erlebt hat, kann bestreiten, dass irgendwann andere Personen, die mensch interessant findet, ins Leben kommen und er_sie sich dann für eine der oben genannten Möglichkeiten entscheiden musste – und damit entweder natürliche Bedürfnisse unterdrückt oder aber einen geliebten Menschen aufgeben und verletzen muss. Warum? Warum nicht einfach diese Gegebenheit akzeptieren und einen neuen Weg finden?!

Wirklich schlüssig scheint mir diese scheinbare Sicherheit heutzutage nicht mehr. Schon gar nicht, wenn wir bedenken, wie lange diese “seriell monogamen Beziehungen” heutzutage wirklich andauern, wie viel Leid sie oft am Ende mit sich bringen und wie hoch die Rate des aktiven Fremdgehens oder einfach nur des Fremddenkens ist. Ich möchte weder die Gedanken, Gefühle, Handlungen und Bedürfnisse einer anderen Person weiter einsperren und unterdrücken, nur um mir selbst eine Sicherheit und ein Exklusivrecht zu erkämpfen, welches am Ende meinem Ego dient, nicht aber dem Wohle der Person, welche ich liebe. Wenn ich Rücksicht auf andere aktuelle Gefühls- und Lebenssituationen von Menschen nehmen möchte, in Form von Verzicht und Rücksicht, kann ich oder die andere Person dies tun – aber aus Liebe heraus und aus dem gemeinsamen Bedürfnis füreinander da zu sein in dieser Zeit und nicht aus einem gesellschaftlichen Vertrag heraus. Liebe sollte nicht in Regeln gezwungen werden, sondern einfach gelebt werden dürfen!

Ich möchte mit diesem Text nicht behaupten, welche Liebes- und Lebensform die richtige sei, denn ich denke „die richtige“ gibt es nicht. Das sind einfach nur meine ganz subjektiven Gedanken und Schlüsse – diese können für andere Menschen wieder komplett unterschiedlich ausfallen und ich möchte damit keinesfalls Menschen, die sich bewusst für eine monogame Liebesbeziehung entschieden haben, diskreditieren oder ihren Weg “abwerten”!